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Das kleine Wörtchen „doch“ – Von der Kraft der Sprache
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Das kleine Wörtchen „doch“ – Von der Kraft der Sprache

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung

Das kleine Wörtchen „doch“ ist nicht so harmlos, wie es scheint. „Jetzt pass doch mal auf“, raunzt die Mutter ihre kleine Tochter an. Der Kollege, den ich um ein Feedback gebeten hatte, sagt: „Der Text ist doch gut geworden!“ Die wohlmeinende Tante, die dem etwas dicklichen Neffen empfiehlt: „Geh doch mal schwimmen. Das tut mir auch immer gut!“
Das kleine Wörtchen „doch“ ist eben nicht harmlos. Darin liegt einiges Schmerz- und Giftpotenzial. Es degradiert mein Gegenüber als unwissend, unklug und unfähig. Es wertet ihn ab. Denn was bedeutet es konkret in den genannten drei Fällen? Die kleine Tochter passt sonst nie auf? Der Kollege erwartete bei dem Text von vornherein Schlechtes? Die Tante schlägt mit dem Rat nur so um sich. Das Wörtchen „doch“ hinterlässt schnell ein Gefühl von Unvermögen und Scham.
„Das kann doch nicht so schwer sein!“ Derjenige, der es ausspricht, wirkt irgendwie lebenstüchtiger, cleverer, einfach überlegener. „Doch“ gestaltet Beziehungen hierarchisch. Derjenige, der es gebraucht, erhebt sich über andere. Und wenn es ihm dann jemand übelnimmt, hat er es doch gar nicht so gemeint! Es rutscht einfach schnell heraus, das ist das Tückische an dem Wörtchen.
Das wussten schon die Menschen zu biblischen Zeiten. „So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe“, sagt Gott. Gottes Worte haben Kraft. Wir sind Gottes Ebenbilder, auch unsere Worte haben Kraft. Mehr Kraft, als uns manchmal lieb ist. Was also tun? Ich stelle mir das so vor: Das „doch“ kommt in einen Topf, darauf ein Deckel. Den Deckel lüfte ich nur selten und wenn, dann nur, wenn ich mir gut überlegt habe, ob es tatsächlich passt. Wenn nicht, bleibt der Deckel zu. Das Wort bleibt einfach drin, ungesagt. Dann richtet es auch keinen Schaden an.

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