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Arbeiten 4.0 – Warum Arbeit schön, aber nicht alles ist
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Arbeiten 4.0 – Warum Arbeit schön, aber nicht alles ist

Michael Tönges-Braungart
Ein Beitrag von

Michael Tönges-Braungart,

Dekan, Evangelisches Dekanat Hochtaunus

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“ Das sagt in der Bibel Gott zu Adam, als er ihn und seine Frau Eva aus dem Paradies vertreibt.
Die Bibel erklärt damit: Harte Arbeit gehört zum Leben. Als diese biblische Geschichte entstanden ist, waren die meisten Menschen Bauern. Damals dachte niemand an Urlaub oder Rentenbezüge und einen schönen Ruhestand. Die Realität sah so aus: arbeiten, bis man nicht mehr kann; arbeiten bis zum Tod.
Gott sei Dank ist das bei uns heute anders. Auch wenn das Alter für den Renteneintritt immer weiter hinausgeschoben wird. Aber die Menschen werden ja auch immer älter. Viele genießen eine relativ lange Zeit im Ruhestand. Der Übergang fällt manchen gar nicht so leicht. Es gibt ja Berufe, in denen man nach dem Ruhestand noch weiter arbeiten kann, wenn auch natürlich weniger. Aber bei vielen ist wirklich von einem Tag auf den anderen Schluss. Manch einer ist froh darüber, weil er spürt, dass seine Kräfte für nicht viel länger ausgereicht hätten. Und weil er sich auf die Freiheit freut, die sich dann auftut. Andere erkennen nach dem Eintritt in den Ruhestand, was sie vorher schon geahnt haben: Wie wichtig die Arbeit für sie ist beziehungsweise war. Und was ihnen auf einmal fehlt.
Arbeit ist anstrengend. Und auch wenn für viele körperliche Arbeit nicht mehr alltäglich ist, so essen sie doch ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts. Die Arbeitsbedingungen sind hart, die Anforderungen hoch. Die Taktung wird immer schneller. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verwischen immer mehr. Da ist der alte Satz aus der Bibel wieder ganz aktuell: Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen.
Aber Arbeit ist auch noch etwas anderes als nur Mühe und Plage. Es macht Freude, etwas zu bewirken und mit anderen zusammenzuarbeiten. Es tut gut zu erleben: Ich werde gebraucht. Es macht stolz zu zeigen, was man kann. Es ist eine Ehre, dass man seine Arbeit gut macht, und es erfüllt mit Befriedigung. Es tut gut, Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen. Das alles fehlt den Menschen, die arbeitslos sind; die gerne arbeiten möchten, aber keine Stelle finden.
Arbeit ist aber auch mehr als Erwerbsarbeit. Man spricht heute zu Recht von Familienarbeit im Blick auf Kindererziehung oder Pflege alter Menschen. Und in unserer Gesellschaft arbeiten viele Menschen ehrenamtlich – neben oder nach ihrer Erwerbstätigkeit.
„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist.“ Das klingt nach Non-Stopp-Rackern und Maloche, bis ich ins Grab sinke. Umso mehr erleichtert mich, was auch ganz am Anfang der Bibel steht. Da sagt nämlich Gott: Nichts da Non-Stopp-Schaffen! Gott selber nimmt sich nach sechs Tagen Schöpfungsarbeit eine Auszeit. Gott ruht am siebten Tag. Und diese Auszeit gönnt er auch den Menschen.

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