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Am Limit – Mit Grenzen umgehen
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Am Limit – Mit Grenzen umgehen

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt

Die Sportlerin Daniela Ryf aus der Schweiz war im Juli die schnellste Frau beim Frankfurter Triathlon. Danach hat sie gesagt: „Es war ein unglaublicher Tag. Ich war über meinem Limit, aber alles lief super". Sie schwamm, radelte und lief die langen Strecken in nur achteinhalb Stunden. Nur sechs Männer waren schneller als sie.
Daniela Ryf hat gesagt: Ich war über meinem Limit! Mich hat das beim ersten Hören befremdet: Über das eigene Limit zu gehen, das kommt mir irgendwie anmassend vor. Über dem Limit. Wo Schluss ist, ist eben Schluss! Eine Grenze ist eine Grenze! Daniela Ryf hat das anders erlebt, das zeigte ihr Strahlen. Sie hat die Grenzen ihres Körpers ausgetestet und festgestellt: Ich kann mehr, als ich geglaubt habe, wenn ich nur will! Das ist eine tolle Erfahrung.
Sich selbst bezwingen, Schwäche wegdrücken, leistungsfähig und stark sein. Ein großer Rausch! Ein Wunsch von vielen. Meistens machen wir ja die umgekehrte Erfahrung: Der Körper will nicht so, wie ich will. Er zeigt mir Grenzen. Oder die Seele erträgt nicht den täglichen Kampf im Büro oder die ständigen Sorgen in der Familie. Belastbarkeit gerät an eine Grenze. Dann klappt man zusammen, kann nicht mehr. In anderen Situationen ziehen wir selbst eine Grenze: Das ständige Genörgele der Kinder z.B. wollen wir nicht ertragen. Wo Schluss ist, ist eben Schluss!
Wo ist die Grenze? Als Christin ist es für mich eigentlich ganz selbstverständlich zu sagen: Ich bin Gottes Geschöpf, Gottes Kind! Ich lebe in Grenzen – in einer endlichen Lebenszeit. Damit, dass ich nur begrenzt erkenne. Letztlich erfahre ich auch, dass ich mal versage. Menschen sind Grenzen gesetzt.
In der christlich-jüdischen Überlieferung wird von Gott gesagt, dass er Grenzen durchbricht. Sogar die letzte Grenze des Todes, in der Auferstehung Jesu. An diese Kraft Gottes zu glauben hilft vielen Menschen, ihre Grenzen zu überwinden. Im wahrsten Sinne über sich hinauszuwachsen.
Davon berichten besonders die Geschichten um Jesus. Meine Lieblingsgeschichte ist die einer starken Frau. Sie steht im Matthäusevangelium. Eine Frau kommt zu Jesus. Er ist ein völlig Fremder für sie. Sie hofft trotzdem, dass er ihr helfen kann. Ihre Tochter ist psychisch krank. Ein böser Geist beherrscht sie. Jesus will sie abweisen, doch sie kämpft und kämpft, damit er ihr hilft. Am Ende tut er das! Der Wille dieser Frau ist unbändig, Jesus zu erreichen. Sie durchbricht schließlich alle Grenzen, aber sie siegt. Über‘ s Limit gehen. Inzwischen gefällt mir das! Gott selbst macht mein Herz weit und meinen Geist stark!

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