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„Trink deinen Wein mit frohem Herzen“
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„Trink deinen Wein mit frohem Herzen“

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz

Prosit! Prost! – Ein etwas ungewöhnlicher Gruß am frühen Morgen. Aber er passt für mich nicht nur, weil jetzt die Saison der Weinfeste begonnen hat. Prosit bedeutet ja „zum Wohlsein“ oder „Es möge dir gut sein!“, und genau darum geht es ja an jedem neuen Tag. Der weise Prediger Salomon in der Bibel mahnt: „Trink deinen Wein mit frohem Herzen.“ (Kohelet 9,7-9)

Bestimmt will die Bibel damit nicht zu hemmungslosem und übermäßigem Alkoholkonsum auffordern. Es geht mehr um die Freude am Leben.

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Den heutigen Wein trinke ich heute, die Sorgen von morgen trage ich morgen!“ Und da liegt dieses Zitat ganz auf einer Linie mit der Bibel: Ich darf das Leben genießen als ein Geschenk, das Gott mir gegeben hat. Ich darf dankbar sein für die Früchte, die er wachsen lässt und aus denen die Winzer so ein köstliches Getränk herstellen.

Aber wie bei allen Dingen kommt es auch hier auf das richtige Maß an. Es ist keine gute Idee, jeden Tag den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und sich nur seines Lebens zu freuen. Aber es ist auch keine gute Idee, seine Tage mit Grübeleien und Zukunftssorgen zu verbringen. Es kommt darauf an, das richtige Maß zu finden: Sich verantwortungsvoll um die Aufgaben zu kümmern, die man übernommen hat UND sich mal eine Pause zu gönnen.

Jesus selbst hat vorgelebt, dass das Leben aus mehr besteht als aus Arbeit. Sicher hat er jeden Tag gelehrt und Kranke geheilt. Oder er war unterwegs, um zu den Menschen zu kommen. Immer aber hat er sich auch Zeit genommen, mit den Menschen zu essen und zu trinken. Die Bibel kennt viele Geschichten, in denen das Gastmahl eine wichtige Rolle spielt. Dabei geht es aber weniger um die Sorte der erlesenen Weine, die dabei gereicht werden, sondern um die Begegnung, die durch das gemeinsame Essen möglich wird.

Bei einem guten Essen und einem guten Wein kommen Themen auf den Tisch, die den Menschen wirklich unter den Nägeln brennen: Das war damals bei Jesus so – und das ist heute auch noch so. Und manchmal ist nach dem Essen nichts mehr so, wie es vorher war. Es hat sich etwas verändert, weil die Menschen am Tisch Nähe gespürt haben. Jeder am Tisch hat gespürt: In dem Moment, wo ich mich jemandem ganz zuwenden, kommt dieser Mensch mir nahe.
Auch damals zu biblischen Zeiten haben sie erfahren: Wenn Jesus sich ihnen zuwendet und mit ihnen das Brot und den Wein teilt, dann kommt Gott ihnen ganz nahe.

Da sind manchmal auch Menschen um den Tisch versammelt, die sich kaum kennen – und plötzlich sind sie offen für einander und trinken und essen nicht nur gemeinsam, sondern teilen auch das Leben und ihre Fragen und Sorgen miteinander.

Ich glaube: Auch heute ist Gott oft unerkannt mit dabei, wenn Menschen so miteinander am Tisch sitzen und miteinander teilen – das Essen und den Wein, aber auch die Freuden, Sorgen, Ängste und Hoffnungen der Menschen, die neben ihnen sitzen.

Wenn ich dem anderen so begegne: voller Zuwendung und mit Respekt, egal ob ich ihn kenne oder nicht, dann wird daraus ein wunderbares Festmahl und ein Stück vom Himmel. Dann geht es nicht mehr nur um einen guten Schluck Wein, sondern dann ist etwas spürbar, was unser Herz wirklich und für lange Zeit froh macht!

In diesem Sinne: Prosit! – Es möge dir wohlergehen!

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