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Gute Nachricht, schlechte Nachricht
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Gute Nachricht, schlechte Nachricht

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt

Wenn man die Nachrichten hört, dann kann man eigentlich nur einen Eindruck gewinnen: Die Welt ist ziemlich krank. Denn da geht es fast nur um Krisenherde: um Krieg und Gewalt, um Katastrophen und Unfälle und ungelöste Probleme.

Das hat natürlich mit dem journalistischen Handwerk zu tun: Eine Nachricht ist das, was neu ist oder zumindest ungewöhnlich. Wenn also von Unfällen auf der Straße die Rede ist, dann bedeutet das: Sie sind das ungewöhnliche. Die Nachricht heißt eben: „Pro Jahr sterben auf Deutschlands Straßen etwa 3000 Menschen“. Die Nachricht heißt nicht: „Ein ganzes Jahr lang sind Zig-Millionen Leute unbeschadet Auto gefahren“. Insofern steckt hinter jeder schlimmen Nachricht auch eine zweite, eine gute Nachricht. Nur wird die selten gesagt.

Zwar bemühen sich viele Redaktionen bewusst, auch positive Nachrichten aufzugreifen. Aber die bleiben meist blass und am Rande. Sie sind schnell erzählt. Wenn irgendwo die Waffen schweigen, wo vorher Krieg war, dann passiert dort eben nichts mehr Spektakuläres. Der Frieden geschieht leise und in kleinen Schritten. Das interessiert dann viele nicht mehr so sehr.

Es ist wie auf der Straße: Wo zwei Menschen sich küssen, gehen die anderen schnell vorbei. Wo zwei Menschen sich prügeln, bleiben viele stehen. Sind Menschen fasziniert von dem, was nicht schön ist? Langweilt das Gelungene? Dabei klagen doch viele über ihre zahleichen Probleme. Und Menschen sehnen sich nach Frieden und Harmonie. Merkwürdig.

Offensichtlich fällt es vielen schwer, sich über das zu freuen, was gut läuft. Eher drängt sich das in den Vordergrund, was nicht gut ist, was weh tut. Das gilt auch ganz wörtlich: Wer sich in den Finger geschnitten hat, ist plötzlich ganz bei diesen Finger. Man bemerkt kaum noch, dass die Hand ansonsten unbeschadet ist und vieles andere auch. Als wäre das selbstverständlich.

So geht es vielen auch in ihren Gebeten. Sie klagen vor Gott, was alles schlimm ist auf der Welt und was besser werden soll. Sicher: Nicht nur. Auch Dank kommt auch darin vor und das Lob Gottes. Aber meistens stehen doch die Themen im Vordergrund, die unbewältigt sind: „Lieber Gott, ich bitte dich: Tue dieses und jenes.“ Selten heißt es: „Lieber Gott, ich danke dir, dass Millionen von Autofahrern heute unfallfrei an ihr Ziel kommen werden. Und ich bin so froh, dass in vielen Ländern die Menschen friedlich miteinander leben.“

Das will ich heute einmal anders machen. Nein, ich will mir die Welt nicht schönreden, aber eben auch nicht hässlich. Deshalb will ich heute einmal von dem ausgehen, wofür ich dankbar bin. Das geht eigentlich ganz schnell. Eine Sekunde dauert es, „Danke!“ zu sagen. Und dabei denkt man an all das, wofür man dankbar sein kann. Allerdings: Wenn man diesen Dank wirklich empfinden und mit Gott teilen will, wird es doch etwas länger – zum Glück. Dann fühlt sich vielleicht sogar der ganze Tag anders an.

Das will ich heute versuchen und sagen:

Gütiger Gott, heute will ich nicht über die Wunde an meinem Finger klagen, sondern mich über die ansonsten gesunde Hand freuen. Ich will mich nicht beschweren über die Hartherzigkeit der Welt, sondern mich bei den vielen warmherzigen Menschen einreihen. Ich will nicht über das seufzen, was alles auf meinen Schultern lastet,
sondern ich will dankbar erkennen: Ich kann es tragen. Gütiger Gott, danke für den Frieden unter vielen Menschen. Ich wünschte, er wäre überall. Danke für die Millionen Autofahrer, die einander respektvoll umfahren. Ich wünschte, alle wären so. Danke für alles, was gut ist. Amen.

 

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