Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
Der die Zeit in den Händen hat

Der die Zeit in den Händen hat

Rolf Müller
Ein Beitrag von

Rolf Müller,

Pastoralreferent Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Frankfurt
Beitrag anhören:

„Der du die Zeit in Händen hast“ – so heißt ein Kirchenlied zum Jahresschluss, das mich immer wieder sehr berührt. Der evangelische Dichter und Theologe Jochen Klepper hat den Text dieses Liedes im Jahr 1937 geschrieben. Es war eine Zeit, die für den Dichter sehr schwer war: Er war mit einer Jüdin verheiratet und musste mit ansehen, wie deswegen sein Leben durch den Druck der Nationalsozialisten Tag für Tag schwerer wurde. So wurde er in dem Jahr, in dem dieses Lied entstanden ist, aus der „Reichsschriftumskammer“ ausgeschlossen und durfte damit nicht mehr als Schriftsteller arbeiten.

Und trotzdem ist sein Sylvestergedicht voller Trost, Hoffnung und Vertrauen. „Der du die Zeit in Händen hast, Herr nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen“, so heißt es schon gleich am Anfang. Ich spüre in diesen Zeilen ein tiefes Vertrauen in die Zukunft. Alles was schwer und traurig im vergangenen Jahr war, soll leicht und gut werden. Auch bei mir hat im letzten Jahr so einiges nicht geklappt und ist schief gegangen. Wie schön wäre es, wenn sich vieles davon wieder einrenken könnte;  ja zum Segen wird.

Weiter heißt es in dem Gedicht: „da alles, was der Mensch beginnt, vor seinen Augen noch zerrinnt, sei du selbst der Vollender.“ Was für ein Trost steckt da in diesen Zeilen für mich drin. Denn ich erlebe es ja auch:  Einiges, was ich im letzten Jahr begonnen habe, habe ich nicht zu Ende gekriegt. Das fängt an bei dem Aufsatz über Kirchengeschichte, den ich unbedingt noch zu Ende schreiben wollte, und hört noch lange nicht auf bei dem längst geplanten Besuch eines kranken Schulfreundes. Das Lied von Jochen Klepper sagt mir dazu: „Verzweifle nicht daran, Gott wird am Ende alles gut machen.“

Die meiste Hoffnung auf Gottes Begleitung im neuen Jahr steckt für mich aber in der letzten Strophe seines Liedes. Sie lautet: „Der du allein der Ewge heißt, und Anfang, Ziel und Mitte weißt, im Fluge unsrer Zeiten: Bleib Du uns gnädig zugewandt, und führe uns an Deiner Hand, damit wir sicher schreiten.“

Mit diesen Zeilen möchte ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ein frohes und gesegnetes neues Jahr 2020 wünschen!

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren