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501 - Was Reformation und Jeans gemeinsam haben
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501 - Was Reformation und Jeans gemeinsam haben

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt
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Was haben die Reformation und Blue Jeans gemeinsam? Heute, am Reformationstag, ist das zunächst einmal die Zahl 501. Vor einem Jahr am 31. Oktober 2017, haben viele Kirchen den 500. Reformationstag gefeiert. Heute ist also der 501. Diese Zahl ist zugleich der Name der ältesten und damit ersten Jeans der Welt.

Beide, Jeans und Reformation, gaben Impulse mit weltweiter Bedeutung und haben ihren Ursprung in Deutschland. Levi Strauss, der Erfinder der Jeans, stammt aus der Nähe von Bamberg und emigrierte nach Kalifornien. Von dort aus verbreiteten sich seine Jeans nahezu über die ganze Welt. Ursprünglich nur als praktische Arbeitskleidung gedacht, standen die Jeans schnell symbolisch für den legeren American Way of Life. In den 1960er Jahren wurden sie in der Bundesrepublik zum Zeichen des Protests und in Ostdeutschland zu einem ersehnten Statussymbol aus dem Westen. Heute dürften Jeans in nahezu jedem Kleiderschrank zu finden sein, bei Männern und Frauen gleichermaßen. Am Anfang hatte die Ur-Jeans gar keinen Namen, sie war ja die einzige. 1890 erhielt sie dann die Bezeichnung 501. 

Auch die Reformation begann in Deutschland, in Sachsen, in Wittenberg. Dort veröffentlichte Martin Luther heute vor 501 Jahren seine kirchenkritischen Thesen. Damit setzte er die Reformation in Gang, deren Ideen sich in den folgenden Jahrzehnten über die ganze Welt ausbreiteten. Sie prägten die Kultur, die Geschichte und die Politik maßgeblich mit. 
Neben den deutschen Ursprüngen und der weltweiten Verbreitung haben Jeans und Reformation ein Drittes gemeinsam: Beide sind entstanden, weil jemand genau hingeschaut hat, wie es den kleinen Leuten geht.

Der Jeans-Erfinder Levi und sein Geschäftspartner sahen, wie die Goldsucher und Landarbeiter mit harter und dreckiger Arbeit ihre Hosen schnell verschließen. Also webten sie einen festen Stoff und verstärkten die besonders belasteten Stellen mit Nieten. Bis heute sind sie ein Markenzeichen. 
Auch Martin Luther und die anderen Reformatoren schauten genau hin. Sie entdeckten damals: Die Menschen hatten Angst. Viel Angst: Vor Hunger und Krankheiten, vor Krieg und dem Tod. Sie dachten: Angesichts dieser berechtigten Ängste sollte unsere Kirche den Menschen Mut machten, ihr Leben im Vertrauen auf Gott zu leben. Doch stattdessen schürte die damalige Kirche eher noch die Ängste. Dann versprach sie Gottes Gnade und Beistand für eine Gegenleistung. 
Das kritisierten die Reformatoren. Sie betonten: Gott ist uns nahe, noch bevor wir selbst irgendetwas tun können oder müssen. In allen Ängsten und in allem Elend hält Gott zu uns und lässt uns nicht im Stich. Nur eines kann und muss man tun, weil Gottes Liebe sonst schlicht ins Leere läuft: Man muss daran glauben. Man muss also vertrauen auf die Zusage Gottes. Dann hat man etwas Festes, etwas Unzerstörbares, das einem im Leben begleiten, halten, orientieren, stärken und trösten kann. 

Zum Schluss nun noch ein viertes, das Jeans und Reformation gemeinsam haben: Beide gibt es bis heute, weil sie Menschen guttun. Ihr Kern ist unverändert geblieben. Zugleich sind beide auch mit der Zeit gegangen. Die Jeans hat ihren Schnitt modernisiert. Die Reformation sucht ebenfalls ständig nach neuen Worten und Wegen, damit die gute Nachricht von der Liebe Gottes möglichst viele Menschen erreicht, tröstet und stärkt. Ab heute im Jahre 501 der Reformation.

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