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Wie geht das mit dem Sterben?
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Wie geht das mit dem Sterben?

Pater Andreas Meyer
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„Wie geht das mit dem Sterben?“ fragt mich ein Patient in unserer Klinik. Wir waren ins Gespräch gekommen, weil er die Diagnose „unheilbar“ bekommen hatte und dazu die Ansage: ihm bleibt nicht mehr viel Zeit. So ganz unvorbereitet hatte ihn diese Informationen nicht getroffen. Lange war er schon wegen seines Tumors in Behandlung. Und nun war er mittendrin im Überlegen. Zuerst dachte er an seinen bewegten Lebensweg. Er hatte viel zu erzählen: Was gut war, wo er etwas gestalten konnte und auch was nicht gelungen war. An dem einen konnte er sich freuen, und mit dem anderen konnte er sich aussöhnen, indem er davon erzählte.
Dann kam die für ihn wichtige Frage: „Wie geht das mit dem Sterben?“ „Das kann ich auch nicht sagen. Ich hab’s noch nicht erlebt,“ musste ich gestehen. „Aber ich kann Ihnen meine Vorstellung erzählen.“
Dann habe ich ihm von einem ganz besonderen Ort erzählt: vom Jakobsberg in Rheinhessen. Er liegt etwas südlich von Bingen oberhalb von Ockenheim. Auf dem Jakobsberg gibt es ein paar Plätze, wo ich mich auf eine Bank setzen und in die Landschaft schauen kann. Der Blick geht hinunter zum Rhein, zu den Hügeln des Taunus und zum Hunsrück hinüber. Ich sehe Autobahnen und Landstraßen und die Autos, die dort fahren. Und Eisenbahnlinien mit den Fernzügen und dem Nahverkehr. Das alles sieht klein und übersichtlich aus. Wenn ich genauer hinschaue, entdecke ich sogar noch mehr Details.
Und ich erzähle meinem schwer kranken Gegenüber: „So stelle ich mir das Sterben vor: auf mein Leben schauen; sehen, was gewachsen ist; sich daran freuen. Und auch merken, was nicht gut war. Dass ich jemandem Unrecht getan habe und nicht aufmerksam genug war, um Böses zu verhindern. Und dann stelle ich mir vor: ich bin ja gar nicht allein auf meiner Bank und schaue auf mein Leben. Gott sitzt neben mir, freut sich mit mir und spürt meinen Schmerz. Das hilft mir, mein Leben anzuschauen. Und ich bin zufrieden.“
„Danke!“ sagt mein Gegenüber, „das hilft mir.“ Und wir bleiben noch eine Weile sitzen und schweigen miteinander.

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