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Wenn die Polizeikelle aufleuchtet
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Wenn die Polizeikelle aufleuchtet

Guido Hepke
Ein Beitrag von

Guido Hepke,

Evangelischer Pfarrer, Weilburg
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Hell leuchtet die Polizeikelle in der Dunkelheit auf. Der Polizist winkt mich aus dem Verkehr heraus. – „Allgemeine Verkehrskontrolle. Den Führerschein, bitte!“– Ich reiche die Papiere. Der Beamte zeigt auf die Rücklichter. „Da ist eine Leuchte kaputt. Normalerweise ist da ein Bußgeld fällig. Aber ich will mal Gnade vor Recht ergehen lassen. Sie werden das sicher morgen reparieren lassen. Gute Fahrt noch.“

Was ist Gnade?

Ist das Gnade? Der Verzicht auf ein Knöllchen? - In der Bibel ist Gnade die Fürsorge für einen anderen Menschen: Ich will, dass es dir gut geht. Du sollst im Einklang leben können – mit dir und mit anderen. Und natürlich mit Gott.

Gnade in der Bibel heißt: Ich sehe in dir das Gute

In der Bibel ist Gnade ein unbedingtes Wohlwollen, eine tief empfundene Sympathie, die sich durch nichts enttäuschen lässt: Ich sehe in dir das Gute. Ich unterscheide zwischen dem, was du bist, und dem, was du tust. Und als Mensch lasse ich dich immer gelten. Egal, was geschieht.

Auch das ist Gnade: Wenn das Lachen in den Augen aufblitzt und andere die Fröhlichkeit teilen. Oder auch: Die Tränen sehen, selbst die ungeweinten. Die tröstende Hand auf der Schulter, ein stummer Händedruck. Ich weiß, wie es dir geht. Das zu erleben ist Gnade.

Gnade ist eine Beziehung

Gnade ist viel mehr als nur ein Wort. Das ist eine Beziehung, die da entsteht. Gnade beschreibt in der Bibel, wie Gott sich uns Menschen zuwendet. Jedem und jeder einzelnen – freundlich und liebevoll.

Ich sehe in dir das Gute. Irgendwie hat der Polizist bei der Verkehrskontrolle tatsächlich etwas von dieser Gnade walten lassen. Er hat auf meinen guten Willen gesetzt, dass ich die kaputte Leuchte an meinem Auto reparieren werde. Das hat gewirkt. Ich hab’s am nächsten Tag gemacht.

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