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Weiter Raum
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Weiter Raum

Irmela Büttner
Ein Beitrag von

Irmela Büttner,

Evangelische Pfarrerin, Offenbach-Bieber
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1,5 Meter Abstand, das kennen wir mittlerweile. 1,5 Meter Abstand braucht es, damit niemand sich ansteckt. Manchmal nervt es, ständig darauf zu achten, und oft ist es nicht einfach, andere darauf hinzuweisen. Aber es gibt gute Formulierungen. Zum Beispiel schreibt ein großer Freizeitpark auf seiner Website: „Sie sind mit Abstand unsere besten Gäste.“ Das gefällt mir!

„Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Auch ein Mann aus dem Kirchenvorstand meiner Gemeinde hatte eine gute Idee für die Corona-Schilder in unserer Kirche. Er hat einen Vers aus der Bibel darauf gedruckt: „Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Das gibt dem Abstands-Gebot sofort eine positive Note.

Abstand halten kann auch einen weiten Raum öffnen

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Der Bibelvers erzählt davon, dass ich frei bin, mich frei entfalten kann. Auch dort, wo Corona mich einengt, wo ich vielleicht lieber Nähe zu anderen Menschen hätte. Aber Abstand halten kann eben auch einen weiten Raum öffnen. Und selbst mit Raum zwischen mir und anderen kann ich mitfühlen, kann ich Nähe spüren.

Besser auf andere Menschen achten

Wo ich auf Berührungen verzichten muss, habe ich gelernt, auf das Lächeln von Menschen zu achten, auf ihre Mimik, auf die Augen, auf die Gesten. Oft versuche ich viel stärker, in Worten und Gesten anderen meine Zuneigung zu zeigen, als ich es vorher gemacht habe. Ich gebe mir mehr Mühe und achte darauf, dass meine Botschaften ankommen.

Dem anderen Raum lassen hat mit Respekt zu tun

Ich bin auch behutsamer geworden im Umgang mit anderen. Dem anderen Raum lassen und Platz machen, das hat mit Respekt zu tun. Manchmal ist mir zu viel Nähe gerade bei fremden Menschen auch eher unangenehm. Dann hilft mir der Abstand, um den anderen erst einmal kennenzulernen.

Lächeln und innere Nähe öffnen einen weiten Raum

Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum. Ich staune darüber: Was mit Abstand alles doch geht, obwohl ich das vorher nicht gedacht hätte. Ich bin dankbar für diese Erfahrungen. Lächeln und innere Nähe öffnen auf jeden Fall einen weiten Raum.

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