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Warum ich trotzdem hoffe
Bildquelle: DarkWorkX/Pixabay

Warum ich trotzdem hoffe

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Immer weniger Menschen glauben an Gott, sagt eine Umfrage (SPIEGEL 17/2019). Kaum lese ich das Ostern in der Zeitung, explodieren in Sri Lanka zahlreiche Bomben, vielleicht im Namen Gottes. Sogar in einer Ostermesse, wo andere Gott loben und danken. Wie kann man an Gott glauben und morden? Wie kann man ermordet werden, während man zu Gott betet und ihn lobt? Das alles übersteigt meinen Verstand. Und es wundert mich nicht, wenn Menschen nicht glauben können, dass es Gott gibt.

Etwas anderes kann ich aber noch weniger glauben: dass ich zufällig bin. Dass die Erde ein Zufall ist, dass mein Leben und Ihr Leben ein Zufall ist. Das kann ich nicht glauben. Und das müsste ich ja glauben, wenn es Gott nicht gibt. Dann ist alles blind und ohne Plan. Dann rollen wir wie lose Kugeln durch die Welt. Und nichts hat einen Sinn. Das kann ich nicht glauben.

Deswegen hoffe ich. Ich habe nicht immer Glauben in meiner Tasche wie den Hausschlüssel. Ich hoffe aber: dass ich kein Zufall bin; dass ich Schmerzen tragen oder lindern kann; dass mein bisschen Liebe zu Menschen einen Sinn hat. Das hoffe ich. Andere auch, denke ich. Wer nicht an Gott glaubt, hofft trotzdem. Niemand möchte ohne Sinn leben. Darum hofft man auf Liebe, Fürsorge, auf ein Wiedersehen mit denen, die sterben mussten. Ich muss nicht an Gott glauben, wie an einen Fahrplan oder den nächsten Monatslohn. Ich kann auch hoffen. Dass Liebe Sinn hat, hoffe ich. Dass jemand auf mich Acht gibt. Und ich einfach immer so liebe, als sei Gott in meiner Nähe.

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