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Von Heiligen und Tigern
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Von Heiligen und Tigern

Dr. Sabine Gahler
Ein Beitrag von

Dr. Sabine Gahler,

Pastoralreferentin im Katholischen Bildungszentrum nr30, Darmstadt
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„Sorgt euch nicht!“ Das ist ein Zitat aus der Bibel. Aus der sogenannten Bergpredigt im Evangelium nach Matthäus. Vollständiger heißt es bei Matthäus: „Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen oder trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! ... Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? ... Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!“ (Matthäus Evangelium 6,25-30)
Es geht in diesem Abschnitt der Bergpredigt darum, dass Menschen sich auf Gott verlassen sollen. Nicht auf sich allein. Das Vertrauen in Gott, der sich um alles sorgt, der uns all das gibt, was wir brauchen, wird hier von Jesus betont. Nicht nur Christen können mit dieser Botschaft etwas anfangen. Es gibt viele Menschen, die sich von diesen Worten angesprochen fühlen: Sorge dich nicht, gib deine Sorgen ab.
Alles in Gottes Hand geben. Die Hände in den Schoß zu legen. Ob ich davon wirklich satt werde? Mir gelingt es jedenfalls nicht. Ihr Kleingläubigen! Ich Kleingläubige!? Jedenfalls konnte mein Glaube noch keine Berge versetzen. Und auch Menschen, die mit Gott wenig anfangen können, merken oft: So ganz ohne Sorge, so ganz ohne selbst etwas zu tun geht es nicht.
Ich habe eine Geschichte gefunden, die dazu passt. Oder auch nicht? Vielleicht gefällt sie mir deshalb so gut. Sie geht so:
„Ein frommer Mann war im Wald unterwegs, da traf er einen Fuchs, der seine Beine verloren hatte. Er wunderte sich, wie das Tier wohl überleben konnte.
Das Rätsel löste sich schnell. Denn er sah einen Tiger mit einem gerissenen Wild. Der Tiger hatte sich satt gefressen und überließ dem Fuchs den Rest.
„Gott, wie groß bist du in deiner Güte!“, schickte der fromme Mann ein Gebet zum Himmel. Am nächsten Tag beobachtete der Mann das Gleiche wieder. Er war erstaunt über Gottes Güte und sagte zu sich: „Auch ich werde mich in einer Ecke ausruhen und dem Herrn voll vertrauen, und er wird mich mit allem Nötigen versorgen.“
Viele Tage brachte er so zu, aber nichts geschah, und der arme Kerl war dem Tode nahe, als er eine Stimme hörte: „Du da, auf dem falschen Wege, öffne die Augen vor der Wahrheit! Folge dem Beispiel des Tigers, und nimm dir nicht länger den behinderten Fuchs zum Vorbild.“
(Marco von Münchhausen, Waltraud Trageser, Die Metaphernkartei, Paderborn 2004, M. 2.
Vielleicht passt die Geschichte nicht so gut. Oder doch? „Sorgt euch nicht!“ Ich finde das ist eine Botschaft, die heute vielen Menschen gut tun kann. Ich muss mich nicht unentwegt um alles kümmern und sorgen. Ich darf mich auch beschenken lassen. Und ich darf aufstehen und aktiv werden. Manchmal ist das der Weg zur Veränderung.

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