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Schwerelos zwischen den Jahren
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Schwerelos zwischen den Jahren

Till Martin Wisseler
Ein Beitrag von

Till Martin Wisseler,

Evangelischer Pfarrer, Langenselbold
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Das Jahr geht langsam aber sicher zu Ende.

Einerseits bin ich wehmütig. Es ist eben ein weiteres Jahr zu Ende und ich bin damit auch ein Jahr älter geworden. Ich muss Abschied nehmen - von Plänen, die ich nicht umsetzen konnte; von Wünschen, die sich nicht erfüllt haben. Außerdem gab es endgültige Abschiede zu verkraften, wichtige Menschen fehlen nun.

Andererseits freue ich mich. Ich habe so unglaublich viel Schönes erlebt im letzten Jahr!

Fotos helfen mir dabei, dass alles noch einmal zu entdecken. Da bleibt mir dann eigentlich nur eins zu sagen: Danke! Danke für das Leben in diesem Jahr und für manche Bewahrung in schwierigen Situationen.

Einerseits - andererseits. Und dann gibt es für mich noch ein Irgendwie-dazwischen. Wir sprechen ja auch von der Zeit "zwischen den Jahren". Ich erlebe immer wieder kleine Momente zwischen den Jahren, da fühlt sich die Zeit für mich schwerelos an - so als wäre ich plötzlich ungebunden und frei. Vielleicht hat das auch etwas mit dieser Abschiedssituation zu tun!? Die Dichterin Mascha Kaleko hat einmal gesagt: „Aller Sorgen dieser Welt / bist du nun enthoben. / Krankheit, Alter Ruhm und Geld / sind wie Wind zerstoben.“ So fühlt sich die Zeit zwischen den Jahren manchmal für mich an. Es ist dann, als würde das, was mir Sorgen macht, gar nicht ins Gewicht fallen; in bestimmten Momenten wie schwerelos. Und als würde das Leben mit dem Neuen Jahr noch einmal ganz neu anfangen. Als hätte ich noch eine zweite Chance. Das fühlt sich gut an.

Darin zeigt sich für mich eine Kraft, die mich ins Leben zieht und treibt. Und die ist nicht meine eigene. Für mich ist diese Kraft Gott. Ja, ich glaube, in diesen Momenten zeigt sich Gott.

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