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Nächstenliebe und Kaffee

Nächstenliebe und Kaffee

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt
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Auf eines freue ich mich ganz besonders, wenn ich in Italien bin: Zwei, drei Mal am Tag genieße ich den richtig typisch italienischen Kaffee, an der Theke zu stehen oder am Tisch zu sitzen und mir eine kulinarische Pause zu gönnen.

Vor einigen Jahren habe ich mich gewundert, als ein Mann hereinkam, der gar nicht aussah, als könne er sich den Kaffee leisten. Plastiktüten und Kleidung zeigten, der lebt auf der Straße. Aber er bestellte und bekam einen Espresso. Wie viele andere im Café. Er hat sich seine Hände an der Tasse gewärmt und genüsslich jeden Schluck getrunken. Als ich nachfragte, erfuhr ich vom Barista, dem italienischen Kaffeekocher: Das war ein Caffè sopreso, sozusagen ein „überraschender Kaffee“ Den gibt es für Kunden, die ihn sich eigentlich nicht leisten können. Sie bekommen ihn, weil irgendein Gast im Café sozusagen auf Vorrat jemandem einen Kaffee spendiert.  Das wird auf einer Liste notiert. Und dann kommt irgendwann einer wie der Mann von der Straße und kann ihn trinken. Das soll aus Neapel kommen.

Ich finde diese Idee wundervoll. Und habe damals auch gleich einen Caffè sopreso gezahlt. Inzwischen gibt es das auch in anderen Ländern. Bei uns heißt die Aktion “aufgeschobener Kaffee“ (suspended Coffee). Es gibt sie auch in Spanien als „Cafes Pendientes“, als ausstehender Kaffee, und in Frankreich sogar mit Logo: „Cafe en attente“ – der „wartende Kaffee“, Mehr als 150 Cafés machen in Bulgarien mit. Auch in Großbritannien und Irland spendieren Menschen Bedürftigen Kaffee in Cafés. Und es gibt sie auch in den USA, Kanada und Australien.

Besonders begeistert mich, weil das einfach und effektiv ist, ohne Verwaltungsaufwand und kompliziertes Spendenverfahren. Geradezu göttlich ist es, mit einem Heißgetränk einem Menschen etwas Gutes zu tun. Schließlich ist die Nächstenliebe eine „Erfindung“ Gottes. Jesus hat uns das vorgelebt. Mit seinem Handeln hat er gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir freundlich und liebevoll miteinander umgehen. Gerade mit Menschen, die Hilfe nötig haben.

Mit dem Caffè sopreso helfe ich ganz einfach einem Menschen, der etwas braucht. Das tun natürlich nicht nur Christen, aber die sollten es ganz besonders im Blick haben. Und ich bin mir sicher: Gott segnet jeden Menschen, der sich nicht nur mit Kaffee um einen Bedürftigen kümmert. Wenn ich jemandem einen Kaffee ausgebe, rette ich wahrscheinlich nicht die Welt. Aber ein Caffè sopreso kann dazu beitragen, dass die Welt anders aussieht. Warm und voller Kaffeeduft. Wenigstens für einen Menschen und einen Moment.

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