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Letzter Schultag
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Letzter Schultag

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Die Schülerinnen und Schüler in Hessen haben es gut. Sie müssen nur noch überstehen, dass sie ihr Jahreszeugnis bekommen. Das ist für den einen erfreulich, dem anderen macht es zu schaffen. Aber danach heißt es für alle: sechs Wochen lang Sommerferien!

Ich kann mich noch gut erinnern, wie sich das als Schüler angefühlt hat: ein Ozean an freier Zeit. Alles vergessen, was mit Schule zu tun hat. Ausschlafen können. In den Tag hineinleben. Freibad von morgens bis abends. Vorfreude auf die Urlaubsreise und mir ausmalen, wie das wird am Meer oder in den Bergen. Irgendwann im Lauf der sechs Wochen wurde es sogar langweilig, und ich habe mich wieder gefreut auf meine Schulfreunde.

Sechs Wochen Sommerferien. Das ist lange her, dass man so viel freie Zeit am Stück hatte. Es müssen keine sechs Wochen sein – jede Unterbrechung tut gut. Non-Stopp-Arbeiten verstopft das Hirn und erschöpft die Kräfte. Ich brauche in meinem Arbeitsfluss immer wieder Inseln zum Verschnaufen. Um richtig abschalten und entspannen zu können, ist Urlaub gut. Aber mir hilft schon, den Sonntag frei zu halten von allen möglichen Aufgaben und Pflichten. Am Samstag gibt es meistens noch viel zu tun. Aber der Sonntag darf ganz und gar frei sein. Ein Tag in der Woche, an dem ich nichts tun muss, aber vieles tun kann, wenn ich will.

Am Sonntag muss sich kein Mensch dafür rechtfertigen, frei zu haben, faul zu sein, in den Tag hineinzuleben. Die Erlaubnis dafür kommt von höchster Stelle. Sie steht in den zehn Geboten. Da sagt Gott: Ich habe die Welt in sechs Tagen geschaffen und am siebten Tag geruht. Darum sollst du, Mensch, nicht atemlos schuften. Du sollst am siebten Tag ruhen. Sonntag – ein Tag lang Freiheit pur. Ich finde das herrlich.

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