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Was ist unschätzbar wertvoll? Zum Raub der Juwelen von Dresden
Miljko/GettyImages

Was ist unschätzbar wertvoll? Zum Raub der Juwelen von Dresden

Johannes Meier
Ein Beitrag von

Johannes Meier,

Evangelischer Pfarrer und Journalist, Kassel
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Die Bilder der Überwachungskamera sehen aus wie aus einem Actionfilm. Zwei Männer brechen in das weltberühmte Grüne Gewölbe des Schlosses in Dresden ein. Sie stehlen historische Juwelen und entkommen.  Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hat gesagt: „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen.“ Jetzt hat die Polizei eine halbe Million Euro Belohnung ausgelobt für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat und zum Auffinden der Beute führen. Die gestohlenen Juwelen gelten als unschätzbar kostbar. Was macht Dinge für uns unschätzbar kostbar? Dazu der hr1 Zuspruch von Johannes Meier.

Unschätzbar kostbar sollen die Juwelen sein, die die Einbrecher aus dem Schloss in Dresden geraubt haben. Wie kommt es, dass ein bisschen Gold und ein paar Edelsteine als „unschätzbar“ und „unbezahlbar“ gelten?

Kostbarer als die Summe der Einzelteile

Der Materialwert jedenfalls kann damit nicht gemeint sein. Der ließe sich sehr wohl beziffern. Erst die Kunstfertigkeit der Goldschmiede und der Edelsteinschleifer formt aus einem Klumpen Edelmetall und einem Krümel Kohlenstoff ein Meisterwerk. Dazu kommen das Alter und die Geschichte, die sich mit den Juwelen verbinden.

Einmalig, unverwechselbar, unschätzbar. Und im Falle der Dresdener Geschmeide wohl auch unverkäuflich. Die größte Sorge der Kunsthistoriker ist daher, dass die Diebe die Schmuckstücke in ihre Einzelteile zerlegen, die Diamanten und Perlen herausbrechen und das Gold einschmelzen. Dann wäre das Meisterwerk von unschätzbarem Wert zerstört. Unwiederbringlich.

Daran denke ich bei "unschätzbar wertvoll"

Die Sorge kann ich nachvollziehen. Ich denke da nicht nur an teure Schmuckstücke, die ich weder besitze noch vermisse. Unschätzbar wertvoll, da denke ich zum Beispiel an meine Arbeitsstelle. Zu der gehören sozusagen auch Einzelteile, die ich benennen und beziffern kann: das Gehalt, das Büro, der Schreibtisch, die Aufgaben, der Urlaubsanspruch... Je für sich genommen durchaus etwas wert, aber auch austauschbar, ersetzbar. Erst die Summe aller Teile ergibt etwas, das ich nicht missen möchte. Und wenn ich an meine Kollegen denke, wird aus so meinem Arbeitsplatz plötzlich etwas, das für mich unschätzbar wertvoll ist.

Ich denke an meine Freunde. Da ist jede und jeder für sich ein funkelndes Gesamtkunstwerk. Ich schaue meinen Lieblingsfilm, höre Musik, die mich bewegt. Da erscheint mehr auf der Leinwand als nur eine Ansammlung von Hollywood-Stars, da klingt mehr in meinen Ohren als nur eine Abfolge von wohl gesetzten Noten.

Was oder wer ist wie ein Juwel für mich?

In der Bibel steht: „Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ (Psalm 139,14) So viel in meinem Leben ist wunderbar gemacht, unschätzbar wertvoll.  Dieser Bibelvers lenkt meinen Blick darauf: Was und wer ist wie ein Juwel für mich? 

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