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Friedlich gegen Rechts
Foto: pixabay / geralt

Friedlich gegen Rechts

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Bei einer Demo war ich schon lange nicht mehr. Aber heute fahr ich nach Büdingen. Dort an der Schule hab ich lange gearbeitet. Das ist für mich nicht weit. Ich finde, es ist an der Zeit, Gesicht zu zeigen gegen das, was da passiert. Hunderte Rechtsradikale aus ganz Deutschland sollen heute dort dagegen demonstrieren, dass Flüchtlinge auch in Büdingen Zuflucht, Hilfe und Heimat finden. Wer heute dort noch einkaufen will, muss früher dran sein. Die Geschäfte in der Nähe des Bahnhofs schließen schon um drei. Wo sonst die Autos der Supermarktbesucher parken, steht die Polizei mit Mannschaftswagen und Wasserwerfern.

Mit einer unabhängigen Kundgebung wehren sich auch Christinnen und Christen gegen diesen Aufmarsch. Ich hab mit meinem Kollegen Andreas Weik gesprochen. Er ist evangelischer Pfarrer in Büdingen. „Gesicht zeigen, Büdingen ist weltoffen“, so heißt das Bündnis aus Politik und Kirche, in dem er sich engagiert. Er sagt: „Ich freu‘ mich sehr über dieses breite Bündnis. Als Kirche müssen wir uns mit einbringen. Da ist wirklich etwas in Bewegung gekommen in Büdingen, viele tolle Leute. Wir haben phantasievolle Beiträge. Ein Redner wird von seinen Erinnerungen an den Fackelzug 1933 bei der Machtergreifung Hitlers erzählen. Es gibt auch Musik, manche backen Kuchen für die vielen Polizisten. Die sorgen ja mit für den Frieden, der uns wichtig ist.“ So weit der Büdinger Pfarrer.

Es ist natürlich kein Zufall, dass der rechtsradikale Aufmarsch heute, am 30. Januar stattfindet. 1933: Fackelzug durch‘s Brandenburger Tor in Berlin, 2016: Fackelzug durch’s Jerusalemer Tor in Büdingen. Das darf nicht so anfangen wie damals! Die Veranstalterin des rechten Aufmarschs hat meinem Kollegen mit juristischen Konsequenzen gedroht, weil auch die Kirchenglocken läuten werden. Sie sieht den rechten Aufmarsch dadurch gestört.

Aber: Wann Glocken läuten, darüber entscheidet der Kirchenvorstand und der hat beschlossen: Die Glocken laden heute in Büdingen zu einem Gebet für den Frieden ein. Morgen nach dem Sonntagsgottesdienst werden noch ein paar Leute aus der Kirchengemeinde den Besen in die Hand nehmen, um symbolisch die rechtsradikalen Gedanken aus der Stadt zu kehren. Friedlich, phantasievoll und entschlossen auf der Seite der Menschen guten Willens: Ich finde, so sollte sich Kirche unbedingt einmischen.

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