Das Gute im Schlechten
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Das Gute im Schlechten

Ute Zöllner
Ein Beitrag von Ute Zöllner, Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel

Es gibt eine Geschichte, die bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Sie hilft mir wie von selber, das Leben mit Humor zu nehmen. Die Geschichte, die ich erzählen möchte, kommt leichtfüßig daher, wie ein Witz. Sie versucht, im Schlechten das Gute zu entdecken. Es ist die Geschichte vom Rabbi und einem Ziegenbock.

Ein alter Mann kam zum Rabbi und klagte über sein Leben. „Rabbi, du glaubst nicht, wie schwer ich es habe. Eine Frau und vier Kinder habe ich. Zu sechst wohnen wir in einem einzigen Raum. Es ist unerträglich! Was kann ich da machen? Der Rabbi antwortete mit einem einzigen Satz: „Nimm deinen Ziegenbock mit ins Zimmer.“

„Du machst Witze“, war seine Antwort. „Meinen Ziegenbock soll ich auch noch mit ins Zimmer nehmen? Träumst du?“
„Tu, was ich dir gesagt habe“ war die einfache Antwort, „und komme in einer Woche wieder.“

Nach einer Woche erschien der Mann beim Rabbi mit hochrotem Kopf und mit seinen Nerven am Ende. „Du kannst es dir nicht vorstellen“, schimpfte er. „Der Ziegenbock macht uns das Leben zur Hölle. Er stinkt unerträglich!“

„Dann geh nach Hause und stell den Ziegenbock wieder in den Stall zurück. Nach einer Woche sprechen wir uns wieder.“ Das war die Antwort des Rabbi.

Der brave Mann kam nach einer Woche zum Rabbi zurück - wie verwandelt. „Wie gut wir es haben!“, ruft er erleichtert aus. „Wir genießen jeden Augenblick. Nur wir sechs in einem Raum. Das Leben ist wunderbar, so schön!“ Na, wende ich ein, so einfach ist das manchmal nun auch wieder nicht. Wenn es hart auf hart kommt, dann bleibt mir das Lachen im Halse stecken.

Aber jede Schwierigkeit fordert mich heraus, zu entdecken, was ich daraus machen kann. Ein Witz kann mir dabei helfen. Er löst die Spannung und bringt mich auf neue Ideen. Der Rabbi ist mir dafür ein guter Ratgeber.

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