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Blickwechsel
Bild: pixabay

Blickwechsel

Marcus Vogler
Ein Beitrag von

Marcus Vogler,

Pfarrer in der Pfarrei St. Johannes der Täufer & Leiter des Bildungshaus, Amöneburg
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In der letzten Zeit höre ich immer wieder Aussagen wie: "Corona zieht mich runter. Ich bin ganz niedergedrückt von der momentanen Entwicklung der Pandemie und den ständig steigenden Zahlen." Auch ich empfinde ähnlich. Die Rahmenbedingungen für unser Leben sind seit über eineinhalb Jahren belastend. Mir hilft dabei eine andere Blickrichtung auf das Leben, die ich von der Natur lernen kann.

Auf meiner Fensterbank in der Küche stehen wunderschöner Orchideen in unterschiedlich leuchtenden Farben. Dabei fällt mir auf: Die Pflanzen drehen sich immer wieder dem Licht zu. Die Pflanzen brauchen Licht und sind so programmiert, dass sie sich nach dem Licht ausrichten. Ich habe fast den Eindruck, sie tragen eine unbändige Sehnsucht nach dem Licht in sich. Das imponiert mir und bringt mich immer wieder ins Nachdenken.

Ich spüre dabei: Mir als Mensch kann es nur guttun, wenn ich es diesen klugen Pflanzen nachmache und mich auch dem Licht entgegenstrecke und mich innerlich öffne: Auf das hin, was mich aufbaut, mir innerlich Nahrung gibt, meine Seele aufhellt und mein Leben hell macht. Wenn ich dafür empfänglich bin und es in mich aufsauge wie ein trockener Schwamm, dann geht es mir wie meinen Orchideen: Ich komme ins Wachsen und Blühen.

Das ist aber gar nicht so einfach. Oft schaffe ich es einfach nicht, so zu sein wie die Blumen. Mir gelingt es nicht, mich automatisch dem zuzuwenden, was mich innerlich aufleben lässt. Es gibt auch das Dunkle und Schwere, das in meine Seele drängt. Dazu gehören Sorgen und Ängste, Krankheiten, ja auch die Sorge wie es mit der Pandemie weitergeht. Aber ob sich das alles in mir einnistet und mich beschwert, das liegt auch daran, worauf ich meinen Blick richte: Auf das Schöne im Leben und das Lichtvolle oder auf die Sorgen und das Dunkle in der Welt. Sehe ich eher das, was mein Herz froh macht oder das, was es verfinstert. Das ist eine Anfrage an meine innere Lebenseinstellung. Mir hilft es in meinem Leben bewusst das zu tun, was die Pflanzen als Programm in sich haben: Den Blick schärfen für das Helle und Wohltuende - und es mit Freuden in mich aufnehmen und verkosten, damit es mich innerlich aufblühen lässt und aufbaut.

Mein Glaube ist mir dabei eine große Hilfe. Denn hier spricht Jesus immer wieder von dem Licht, das er selbst ist und das mein Leben hell machen möchte. In wenigen Wochen kommt dieses Licht, Jesus, in diese Welt.

Jeden Abend nehme ich mir 5 -10 Minuten Zeit und schaue ganz bewusst auf die schönen Dinge des Tages, die mir begegnet sind und die ich geschenkt bekommen habe. Ich spüre, wie ich dabei innerlich wachse und aufblühe. Das gibt mir Kraft, das Dunkle in meinem Leben und in unserer Welt leichter zu ertragen.

Vielleicht probieren Sie es auch einmal aus? Einen Versuch ist es wert. Die Adventszeit  bietet dazu eine willkommene Gelegenheit.

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