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Vergebung
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Vergebung

Ute Zöllner
Ein Beitrag von Ute Zöllner, Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel

Die weiße Fahne wird aus dem Kornfeld gehisst. Ein kräftiger Arm streckt einen Ast aus den Ähren hervor. Die Person selber ist nicht zu sehen, die weiße Fahne beherrscht das Bild. Sie ist ohne großen Aufwand einfach an den Ast geknotet. Darüber ein sommerblauer Himmel mit Wolken. Die Gerste, das flatternde Tuch und ein Arm, der die Fahne packt. Mehr sehe ich nicht. Über dem Bild lese ich die Frage: „Mit wem sollte ich endlich Frieden schließen?“ Was so sommerlich und leicht  daherkommt, hat es in sich.

Frieden schließen kann ganz schön schwer sein. So geht es auch Paul und Anna, die sich heftig streiten. Paul fühlt sich von Anna verraten, weil die mit ihrer Freundin über das spricht, was seiner Meinung nach nur sie beide etwas angeht. Ein Wort gibt das andere, die Auseinandersetzung wird heftiger und steigert sich. Keiner von beiden gibt nach. Jeder will Recht behalten. Paul und Anna sind weit davon entfernt, die weiße Fahne zu hissen. Stattdessen verlieren sie sich in ihrem wechselseitigen Wunsch, über die Meinung des anderen zu siegen.

Fehler zu vergeben ist schwer. Aber es ist eine Kraft, die mich unabhängiger macht. Endlich gelingt es Paul und Anna, freier füreinander zu werden. Bevor Paul weiterpulvert, hält er einen Moment inne. Er streckt sozusagen eine innere weiße Fahne hoch und spürt dem nach, was er empfindet: Sich allein zu fühlen, wenn Anna mit ihrer Freundin über sie beide spricht. Er gibt nicht auf, Anna davon zu erzählen. Das hilft Anna, das Problem mit den Augen von Paul zusehen. Beide gehen nicht im Strudel der Auseinandersetzung unter.

Paul hält die weiße Fahne hoch. So hilft er sich selber und Anna gleich mit. Beide treffen eine Vereinbarung: Was wirklich nur sie beide etwas angeht, gehört in das Zweiergespräch. Sie vertragen sich wieder.

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