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Sträucher schneiden
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Sträucher schneiden

Dr. Paul Lang
Ein Beitrag von Dr. Paul Lang, Diakon und Lehrer für Latein, Musik und Religion in Amöneburg
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Die Tage werden spürbar länger. Noch sieht es im Garten winterlich aus; in meinen Augen eher trist und ungemütlich. Das letzte Laub liegt noch auf der Wiese. An dürren Ästen und kahlen Bäumen kann ich nur mit Mühe filigrane Strukturen erkennen. Vorherrschende Farben sind schwarz und grau; dunkelgrünes Moos. Das ist nicht meine Jahreszeit.
Trotzdem: Jetzt muss ich hinaus. Jetzt ist das Zurückschneiden der Sträucher und Hecken angesagt, auch wenn ich im ersten Moment kaum Lust dazu habe. Schon im Herbst habe ich mir genau angeschaut, wo ich eingreifen will.
Hier hat ein Baum zu wenig Platz, um zu wachsen. Da hängen Äste weit auf den Gehweg. Dort schließlich nehmen Zweige dem Blumenbeet und zwei Weinstöcken viel Sonnenlicht weg. Jetzt schaffe ich Platz für den Frühling und den Sommer. Es wird Zeit für Heckenschere und Säge. Sobald das Wetter einigermaßen mitspielt, werde ich mich an die Arbeit machen. Dann hole ich die Geräte aus dem Gartenhaus und los geht‘s.
Gartenarbeit. Ich werde ganz schön dreckig sein hinterher. Mühsam wird es werden. Den Astschnitt muss ich für den Kompost zerkleinern, größere Äste mit dem Anhänger zur Nahwärmeanlage im Nachbardorf transportieren.
Tief in mir schlummert, merke ich, Unsicherheit. Warum überlasse ich nicht alles sich selbst? Kann die Natur nicht sorgen, dass alles gut wird? Warum schaue ich nicht einfach zu, wie alles wachsen wird? Her mit einem Urwald!
Andererseits weiß ich aus Erfahrung: Wenn ich nicht eingreife, werden sich einige wenige Pflanzen gnadenlos ausbreiten. Sie werden in die Regenrinnen hineinwuchern. Auf Kosten der anderen Gewächse werden sie alles dominieren. Schön wird das nicht werden. Zumindest wird es mir nicht gefallen.
Nein, da will ich schon lieber selbst die Ärmel hochkrempeln. Trotz aller Mühe freue ich mich auch darauf. Ist das nicht seltsam?! Abends kann ich sehen, was ich geleistet habe; und in den kommenden Wochen und Monaten genießen, was ich gestaltet habe.
Ein Garten ist kein Urwald. Menschen haben wohl, so lange es sie gibt, in die Natur eingegriffen. Manchmal verhängnisvoll, das wissen wir heute. Ganze Landstriche haben Menschen abgeholzt, Monokulturen angelegt. Menschen haben sich selbst damit sehr geschadet. Arbeiten im Garten erinnert mich an die Verantwortung, die ich habe. Ich muss mit Augenmaß ans Werk gehen. Dann wird es gut, meine ich.
„Und er sah, dass es gut war“: So bewertet die Bibel einen Garten, den Gott selbst schafft. Ein großartiges Gartenbild zeichnet die Bibel damit in ihrem ersten Buch, dem Buch Genesis. Gott behütet diesen Garten. Denn ein Garten ist ein geschützter Raum. In ihm herrscht Leben in Fülle, er ist ein Paradies. Im Garten zu arbeiten, hält in mir die Erinnerung daran wach, dass ich selbst Geschöpf bin. Auch ich brauche Lebensraum. Einen geschützten Bereich. Dankbar vertraue ich, dass Gott dieser große und gute Gärtner ist, der auf mich achtet, heute und an jedem Tag.   

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