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Rufe mich an in der Not
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Rufe mich an in der Not

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

"Rufe mich an in der Not. Dann werde ich dich retten und du wirst mich ehren." Das verspricht Gott in einem Psalm. (Ps 50,15) Was es heißt, begleitet und behütet zu sein, das zeigt eine Initiative in Berlin. Sie heißt Heimwegtelefon. Erfunden haben es zwei Berlinerinnen. Besonders Frauen kennen die Situation: Es ist spät geworden im Kino oder in der Kneipe. Freunde wollen noch bleiben, aber ich selbst sehne mich nach meinem Bett – wenn da nur nicht der einsame Heimweg im Dunkeln wäre. Dann jemanden anrufen zu können, der mich „heimquatschen“ kann, wie es in der Werbung für das Heimwegtelefon heißt … Ich finde, das ist eine großartige Idee.

Eine Frau, ruft dort an, sagt, wo sie gerade ist und wohin sie in der Nacht noch muss. Die am Heimwegtelefon verfolgen ihren Weg auf Google Maps. Sie fragen hin und wieder wie weit sie schon gekommen ist und begleiten sie in einem netten Gespräch, bis sie schließlich gut und dankbar zuhause angekommen ist. Würde sie in eine brenzlige Situation geraten, würde angepöbelt oder bedroht, würden es die Telefonbegleiter mitbekommen und könnten ihr sofort Hilfe schicken, notfalls die Polizei.

Nicht erst die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln haben gezeigt, dass es den Bedarf nach einem Heimwegtelefon wirklich gibt. Und mal ehrlich, auch ich als Mann würde auf einem dunklen Heimweg lieber begleitet sein als alleine. Echt schade, denn das Heimwegtelefon steht jetzt vor dem Aus. Das hat eine der Gründerinnen kürzlich mitgeteilt. Es fehlt vor allem an Menschen, die in der Nacht verlässlich mitarbeiten.

Vielleicht könnte man das aber auch ein gutes Stück selbst organisieren, sich selbst überlegen, ob es nicht auch für mich jemanden gibt, der gern lang auf bleibt und mich begleitet. Vielleicht jemanden, der nachts arbeiten muss und mich gerne telefonisch nach Hause bringt. Wenn Menschen einander beistehen in der Not, dann scheint darin etwas von dem größeren Vertrauen auf, bei Gott geborgen und behütet zu sein, nicht nur auf dunklen, späten Heimwegen.

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