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Mauerblümchen
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Mauerblümchen

Kurt Grützner
Ein Beitrag von

Kurt Grützner,

Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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Mauerblümchen wurden früher die genannt, die niemand zum Tanz aufgefordert hatte.
Da hat die Emanzipation nachhaltig Besserung gebracht. Heute kann jedes Mädchen einen Jungen und jede Frau einen Mann zum Tanz auffordern. Was hätte mir das in meiner Jugend geholfen. Ich war immer so schüchtern. Ich glaube, ich war ein männliches Mauerblümchen.
Aber worum geht’s bei Mauerblümchen eigentlich? Egal ob männlich oder weiblich? Allen gemein ist diese Sehnsucht: Sie wollen gesehen, sie wollen entdeckt werden. Heute, als Erwachsener denke ich Das ist doch zu verstehen!

Gesehen werden wollen ist menschlich. Diesen Wunsch hat schon ein Baby. Es ist darauf angewiesen, dass Mutter und Vater es anschauen – von Angesicht zu Angesicht. Das ist lebensnotwendig.Und später: „Papa guck mal, guck mal!“ Wie oft haben mich meine Kinder zugegeben damit auch genervt. Immer musste ich gucken. Eine Psychologin hat mir mal erklärt: Die Kinder wollen gar nicht hören, was wir dann oft sagen: nämlich: „Das machst du ganz toll. Bravo!“. Die Kinder wollen eigentlich nur hören und spüren: Ich sehe Dich!

Und ich glaube, das ist bei Erwachsenen nicht grundsätzlich anders. Männer wie Frauen. Was tun wir nicht alles, um gesehen zu werden?
Die biblische Tradition sagt: Gott sieht uns – und zwar ohne dass wir uns besonders produzieren. Der Kirchentag 2017 in Berlin hatte das zur Losung: „Du siehst mich!“ (1. Mose 13,16). Das ist etwas anderes als: „Der liebe Gott sieht alles“!
Gott sieht mich, so wie ich wirklich bin. Ihm brauche ich nichts vormachen. Und das hilft mir, mich selber zu erkennen.
Darum bin ich gerne Gottes Mauerblümchen.

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