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Liebes-TÜV
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Liebes-TÜV

Jochen Straub
Ein Beitrag von

Jochen Straub,

Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg
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Neulich musste mein Auto zum TÜV. Der Technische Überwachungsverein kontrolliert, ob noch alles an meinem Auto in Ordnung ist. Eigentlich bin ich froh darüber. Es gibt einen Stempel und eine Plakette, und ich weiß: Mein Auto ist verkehrssicher.

Kafka hat die Kupplung vergessen

Mit meinen Beziehungen ist das leider nicht so einfach – da gibt es keinen TÜV. Trotzdem: Auch meine Beziehungen zu Gott und den Menschen würd ich gern ab und zu überprüfen. Da gibt es immer wieder Punkte, bei denen es sich lohnt, genau hinzuschauen und eventuell nach zu justieren. Manchmal muss ich sogar reparieren. Franz Kafka hat einmal gesagt: „Die Liebe ist ein leichtgängiges Fahrzeug, das Problem sind nur der Fahrer, die Lenkung, die Bremse und die Straße.“ Eines hat Kafka für mich noch vergessen: die Kupplung. In meinem Auto ist auch die Kupplung für den Ausgleich zwischen dem Motor und den angetriebenen Rädern vorhanden. Sie macht das Anfahren möglich, sie macht Antrieb möglich, sie macht Vorwärtskommen möglich. Sie ermöglicht aber auch das Stillstehen bei laufendem Motor.

Beziehungs-TÜV bitte öfter

Wenn Menschen aufeinander treffen, ist manchmal diese Kupplung gefragt. Der eine will mehr Entspannung und Ruhe, der andere will den Frust des Tages loswerden. Manchmal muss ich meine Fähigkeit, meine Bedürfnisse und Erwartungen aufschieben. Ich merke: Alle zwei Jahre TÜV ist für mein Auto ausreichend. Für meine Beziehung brauche ich diesen TÜV öfter. Eigentlich brauche ich ihn ständig. Ich muss mich darum kümmern, wie es mit anderen Menschen läuft, wie ich anderen Menschen gut begegnen kann.

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