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Ja sagen zu dem was ist
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Ja sagen zu dem was ist

Dr. Ulf Häbel
Ein Beitrag von

Dr. Ulf Häbel,

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

"Wenn es regnet, lacht mein Schirm." Das ist der Titel eines Kinderbuchs. Darin werden lustige Geschichten erzählt und mit Bildern illustriert wie Kinder – oft anders als Erwachsene – mit Dingen umgehen. Es wird regnen, heißt es im Wetterbericht. Ärgerlich! Man will doch möglichst immer schönes Wetter haben, gerade am Wochenende, auf das man sich freut. Bei dem Sauwetter kann man doch gar nicht raus.

Anders das Kind. Es holt einen Schirm aus dem Ständer, spannt ihn auf und streckt ihn dem trüben Himmel entgegen. Auf dem Schirm ist ein lachendes Kindergesicht. Das Kind fängt an, durch den Schirm mit dem Regen zu reden und es kommt zu der lustigen Erkenntnis: Wenn es regnet, lacht mein Schirm. Bei schönem Wetter steht er nur zusammengeklappt in der Ecke herum. Es kommt wohl auf die Perspektive an, aus der man ein Ereignis betrachtet und auf die Einstellung dazu.

Das Urteil über bestimmte Dinge kann unterschiedlich ausfallen, je nachdem ob es von Kindern oder Erwachsenen kommt, von Menschen in der Stadt oder auf dem Land. Es kommt auf die Perspektive an.

Das ist mir noch stärker bewusst geworden, als ich zu einem Fest in einem Haus, für Menschen mit Behinderungen, eingeladen war. In einem wunderschönen Park um das Haus herum sollte das Fest stattfinden – Sommerfest, gutes Wetter vorausgesetzt. Alles war perfekt vorbereitet. Gedeckte Tische zwischen blühenden Sträuchern, bunte Lampions an den Ästen der Bäume.

Alle waren im Park versammelt, die Bewohner des Hauses – die meisten wegen ihrer Behinderung im Rollstuhl – und Gäste wie ich. Doch dann passierte es. Ein Gewitter zog auf, und es fing ganz plötzlich an zu regnen, Schirme fehlten, die man über die Menschen hätte halten können. Und es war nicht genug Zeit, alles aus dem weitläufigen Park ins Trockene zu bringen. Eine Frau im Rollstuhl war pitschnass bis man sie ins Haus gebracht hat.

Der Krankenpfleger entschuldigte sich mehrfach bei der Frau. Die antwortete: „Sie müssen sich nicht entschuldigen, das ist doch nicht schlimm. Endlich bin ich mal wieder vom Regen nass geworden und nicht von eurer lauwarmen Dusche.“

Es kommt auf die Perspektive an, aus der man etwas betrachtet und beurteilt. Was für den Krankenpfleger eine Panne war, empfand die Frau als einen Glücksfall. Den Regen auf der Haut zu spüren, Wind und Wetter ein paar Minuten ausgesetzt zu sein war für sie eine unerwartete, schöne Erfahrung. Sie hat die Situation angenommen und für sich daraus das Beste gemacht.

Es ist eine Stärke, etwas Unvorhergesehenes annehmen zu können und daraus das Beste zu machen. Wenn etwas nicht nach Programm läuft, gerade dann ist es gut, etwas großzügig und souverän mit dem umzugehen, was schief gegangen ist.

In meiner Kindheit sagte meine Großmutter wenn etwas schief ging: Wer weiß, wofür’s gut war. Leben ist kein Programm. Gerade dann, wenn Unerwartetes geschieht, wenn man vielleicht selber Fehler gemacht hat, ist diese Kraft nötig, die man Souveränität oder auch Vergebung nennen kann.

Wer weiß, wofür’s gut ist. Das war für meine Großmutter nicht nur eine Formel. Darin spiegelt sich eine Haltung. Sie bewahrte damit zu allem Geschehen – und ihr Leben war nicht einfach – eine gewisse Distanz und Gelassenheit. Wer weiß, wofür’s gut ist?!

Meine Großmutter hat diese Stärke, Unerwartetes im Leben und auch schweres Geschick annehmen zu können, aus dem Glauben an Gott gewonnen. Dieser Kraft hat sie vertraut. Das tue ich auch.
 

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