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Ja, das möcht‘ ich noch erleben
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Ja, das möcht‘ ich noch erleben

Karl Waldeck
Ein Beitrag von

Karl Waldeck,

Direktor Evangelische Akademie, Hofgeismar
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Bilanz des alten, Vorfreude auf das neue Jahr

Heute beginnt das letzte Wochenende des Jahres 2018. Der Kalender für 2019 liegt schon bereit. Zurückblicken oder nach vorne schauen − das ist die Frage! Zunächst liegt es nahe, zurückzuschauen, eine Bilanz für das Jahr 2018 zu ziehen. Wie sie ausfällt? Das wird bei jedem und jeder unterschiedlich sein. Mir hilft bei meinem Rückblick eine kleine Liste, die ich Jahr für Jahr anlege. Darin steht ziemlich detailliert, was ich mir für das kommende Jahr vornehme. Es geht vor allem um Privates, private Pläne und Freuden, weniger um Vorsätze. Am Ende des folgenden Jahres schaue ich dann, was daraus geworden ist. Natürlich gibt es viele Dinge, die ich nicht erreicht habe: Mal fehlte die Zeit, die Gelegenheit, das Glück. Dennoch stelle ich Jahr für Jahr fest, wieviel doch gelungen ist, auch wieviel unerwartet Schönes ich erleben konnte.
Die Idee mit der Liste habe ich von einem Sportpsychologen übernommen. Sportler, so sagt er, definieren sich oft über Ziele, die sie nicht erreicht haben und wohl auch nicht erreichen können. Das frustriert, man sieht nur das Negative. Leicht wird dann übersehen, was gelungen ist, auch die Fortschritte, die man gemacht hat. All das, was Mut macht, wird dagegen ausgeblendet. Nun gibt es durchaus Jahre, in denen es das Leben nicht gut mit uns meint. Der Rückblick auf das alte Jahr fällt dann traurig aus. Aber das sollte den Blick auf das neue Jahr nicht von vornherein eintrüben!
Ein Mutmacher für das neue Jahr ist der Schriftsteller Theodor Fontane. 2019 wird sein 200. Geburtstag gefeiert. Er konnte nicht nur gut schreiben; er war lebensklug. Er hat auch heute etwas zu sagen. Deshalb gibt es von ihm nun auch eine Playmobil-Figur. Fontane ermutigt uns am Jahreswechsel mit einem Gedicht. Seine Strophen enden mit der Zeile: „Ja, das möcht‘ ich noch erleben.“, dabei beginnen sie zunächst resigniert:
„Eigentlich ist alles so so,
Heute traurig, morgen froh,
Frühling, Sommer, Herbst und Winter,
Ach, es ist nicht viel dahinter.
Aber mein Enkel, so viel ist richtig,
Wird mit Nächstem vorschulpflichtig,
Und in etwa vierzehn Tagen
Wird er eine Mappe tragen,
Löschblätter will ich in’s Heft ihm kleben –
Ja, das möcht’ ich noch erleben.


„Ja, das möcht‘ ich noch erleben.“ Der Blick richtet sich nach vorne, das Leben hat noch etwas vor mit mir und ich mit ihm. Das macht Mut, stiftet Hoffnung. Nur − worauf ich hoffe, was ich noch erleben will, das muss jeder und jede für sich formulieren.
Heute beginnt das letzte Wochenende des Jahres 2018. Eine gute Gelegenheit, schon vor Silvester in Frieden Abschied vom alten Jahr zu nehmen. Und sich auf das neue Jahr vorzubereiten, nicht nur mit grauen Vorsätzen. Denn auch 2019 wartet die Fülle eines bunten Lebens. Man muss es nur entdecken wollen! Ja, das möcht‘ ich noch erleben.

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