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Himmel
Bildquelle: Steppinstars/Pixabay

Himmel

Tanja Griesel
Ein Beitrag von

Tanja Griesel,

Evangelische Pfarrerin, Kassel
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Der Himmel ist das, was wir sehen, wenn wir im Freien stehen und den Blick nach oben richten. Der Himmel ist mal blau, mal grau, wolkenverhangen oder klar. Es gibt Menschen, die täglich den Himmel über ihren Köpfen fotografieren und die Bilder dann in den sozialen Netzwerken posten. Auch ich sehe gern nach oben – für mich wohnt dem Himmel ein besonderer Zauber inne.

Vater unser im Himmel beten wir Christen. Manche breiten ihre Arme beim Gebet aus und strecken sich gen Himmel, um sich für Gott zu öffnen und ihm nahe zu sein. Als Jesus diese Welt verlassen hat, ist er in den Himmel aufgestiegen, so erzählen es die ersten Christinnen und Christen. Können wir heute noch von Himmelfahrt sprechen, wenn doch längst der technische Fortschritt den Himmel erobert hat? Flugzeuge ziehen dort ihre Bahnen. Raketen verlassen die Erdatmosphäre und steigen in den Orbit. Satelliten senden Aufnahmen aus dem Weltraum. Das Weltraumteleskop Hubble zeigt uns Galaxien, die viele Milliarden Lichtjahre von uns entfernt sind. Und seit neuestem beweisen Fotos, dass es das sagenumwobene schwarze Loch im Weltraum tatsächlich gibt. Ist der Himmel damit entzaubert?

Beim Spazierengehen stoße ich auf einen Zettel, der an einem Pfosten klebt. „Lieber Thomas“, steht da, „Gottes Existenz lässt sich nicht beweisen, weder mit Phantasie, noch in geschickter Diskussion oder durch wissenschaftliche Untersuchungen.“ Stimmt. Gott existiert nicht wie wir Menschen in Raum und Zeit. Wenn ich im Gras auf dem Rücken liege und den Zug der Wolken beobachte, das Wechselspiel von Licht und Schatten auf meinem Gesicht, dann schicke ich meine Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte nach oben, in den Himmel. Ich denke dabei an Gott, ohne ihn auf einen Ort festzulegen. Der Himmel ist ein Bild dafür, wie ich mir Gott vorstelle: weit, unbegrenzt, ohne stoffliche Form, immer da.

Wenn ich morgen, an Himmelfahrt, meinen Blick nach oben richte, fühle ich mich mit ihm verbunden. Mein Leben steht in einem größeren Zusammenhang, den auch die Wissenschaft nicht bis ins Letzte ergründen kann. Da bleibt noch viel Raum für Gott. Im Himmel und auch auf Erden.

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