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Ewige Liebe?

Ewige Liebe?

Patricia Nell
Ein Beitrag von

Patricia Nell,

Katholische Pastoralreferentin und Religionslehrerin, Frankfurt
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Es ist für die meisten Partnerschaften ein Desaster. Und es gibt dabei in der Regel nur Verlierer. Trotzdem passiert es immer wieder: Menschen werden einander untreu. Und gehen fremd. Im so genannten „Kick“ einer Affäre versuchen sie jenes Glück wiederzufinden, das am Beginn ihrer Liebe einmal so überwältigend da war. Zusammen mit der Hoffnung, es möge nie vergehen. Ist die viel zitierte ewige Liebe vielleicht nur ein Mythos? Gott sei Dank spricht die Wirklichkeit dagegen. Noch immer halten viele Ehen und Partnerschaften, vielleicht sogar die meisten, ein Leben lang! Und noch immer ist die auf ewig versprochene Liebesbeziehung genau das, was Menschen sich wünschen und wofür sie leben. Zumindest bestätigen mir das meine Schüler, junge Männer im Alter zwischen 17 und dreißig. Alle in der Berufsausbildung. Jeder schreibt bei mir im Religionsunterricht irgendwann einmal seinen Lebenstraum auf. Und fast immer stehen diese Wünsche an oberster Stelle: eine sichere Existenz, ein bisschen Luxus vielleicht, in jedem Fall aber eine lebenslange, glückliche Beziehung.

Er ist also noch nicht ausgeträumt, der Traum von der ewigen Liebe. Mich berührt das immer wieder. Und ich sage den jungen Männern dann auch, dass es sich lohnt, an diesem Traum festzuhalten. Obwohl uns niemand irgendeine Garantie dafür geben kann, dass er sich erfüllt. Weil ewige Liebe eben gerade nicht ewiges Verliebtsein bedeutet. Und dann diskutieren wir darüber, wie das gehen kann. Wie man das Glück bewahren kann, wenn sich die Romantik im Alltag verliert und man seine Liebsten nicht mehr so sieht, wie am Anfang, sondern so, wie sie wirklich sind. Manchmal sitzt in der Klasse sogar einer dazwischen, der genau damit schon so seine Erfahrung hat. Und da wird’s dann spannend. So wie neulich. Ich war völlig überrascht, als sich der sonst so ruhige Benjamin plötzlich zu Wort meldet. Er macht eine zweite Berufsausbildung und ist schon über dreißig:

„Hey Jungs“, ruft er voller Leidenschaft in die Klasse, „jetzt hört mir mal zu: ‚Bis dass der Tod euch scheidet‘, damit ist es doch nicht getan! In diesem Satz steckt harte Arbeit, das kann ich euch sagen! Aber die lohnt sich. Echt. Wir feiern nächste Woche unsern zehnten Hochzeitstag. Und sind immer noch sehr glücklich. Weil wir viel miteinander reden. Nicht nur, wenn’s Stress gibt, nee, auch sonst. Wenn ihr also die Frau eures Lebens gefunden habt, dann ist das ein riesen Glück. Vergesst das bitte nie! Kümmert euch um dieses Glück. Nehmt euch Zeit füreinander und gebt auf euch Acht. Lernt aus euren Fehlern und arbeitet an euch. Dann läuft das schon. Und außerdem: es ist nie langweilig. Glaubt’s mir!“. -

Ich war sprachlos. Und sowas von beeindruckt. Die anderen alle auch. Und wir waren uns an diesem Morgen einig, dass der Traum von der ewigen Liebe nicht im Desaster enden muss. Dauerhafte, glückliche Beziehungen sind möglich, wenn die Liebenden füreinander Verantwortung übernehmen. Achtsamkeit und Treue zahlen sich aus. Sie sind Glücksfaktoren und können die Gewissheit geben, durch nichts und niemanden einfach auswechselbar, sondern vielmehr ganz und gar einmalig füreinander zu sein. Auch wenn es mal kracht. Gerade da kann es sich erweisen, dass man sich wirklich liebt.

Teaser: Ewige Liebe – Mythos oder Realität? Die Antwort hängt ganz davon ab, wie man diesen Begriff versteht. Davon erzählt ein junger Mann. Aus Erfahrung, spontan und unaufgefordert im katholischen Religionsunterricht.

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