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Erde
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Erde

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Auf meinem Weg nach Hause fahre ich in Hammersbach in der Wetterau von der Autobahn ab. Von dort kann ich die Kräne sehen. Durch die Felder führen neue, asphaltierte Erschließungsstraßen. Sie enden in kleinen Kreiseln, in denen man wenden muss, denn im Moment führen sie noch nirgendwo hin. Zum letzten Mal hat ein Bauer zwischen den neuen Straßen sein Maisfeld abgeerntet, denn hier, auf der allerfruchtbarsten Erde, die es gibt, wo seit tausenden von Jahren Ackerbau betrieben wurde, entsteht ein riesiges Gewerbegebiet. Wo bald die erste riesige Halle steht - 12 m hoch - haben die Arbeiter im Mai sieben Meter tief gebaggert und auch den Mutterboden abgetragen. 
Das ist die fruchtbare Erde, die Wetterauer Bauern seit vielen Generationen bebaut und gepflegt haben, um sie dann weiterzugegeben an die nächste Generation. Am liebsten etwas fruchtbarer, als sie sie übernommen hatten. Immer wieder hat dann auch die nächste Generation von ihren Früchten gelebt.

Selbst ein guter Lössboden, wissen die Bauern, kann sich nur in gewissen Grenzen regenerieren. Wer über Erde nachdenkt, muss von der Zukunft her denken. „Machen wir doch“, werden die Firmen sagen, die sich im neuen Gewerbegebiet ansiedeln werden. „Denk doch nur an die vielen Arbeitsplätze, die jetzt entstehen.“ Vielleicht. Aber fruchtbare Ackerflächen können nur begrenzt verbraucht werden. Wenn der Boden erst einmal verdichtet, versiegelt oder weggespült ist, ist er verloren. 

Die Hessische Landesregierung hat das gesehen und sich ein Nachhaltigkeitsziel gesetzt: Ab dem Jahr 2020 sollen nicht mehr als 900 Fußballfelder Boden verbraucht werden - jedes Jahr. Aber trotzdem: Wie lange soll das gutgehen? Auf Erde können wir nicht verzichten. Mensch und Erde, das gehört ganz eng zusammen. Eine Schöpfungsgeschichte in der Bibel macht das sogar hörbar: „Adam“, der erste Mensch ist von der „Adamah“ genommen, so heißt Erde auf Hebräisch. Den Ackerboden soll er bebauen und bewahren, um dann - am Ende seines Lebens - auch wieder zur Erde zurückkehren. 

Im neuen Gewerbegebiet an der A45 wird weiter gebaut werden. Spätestens wenn es einmal vergrößert werden soll, ist es Zeit, auch daran zu denken: Die Menschen nach uns brauchen fruchtbare Erde, aus der sie Nahrung gewinnen können. Boden kann man nur begrenzt verbrauchen, und Geld kann man nicht essen.

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