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Beten ist Ordnen der Welt
Bildquelle: Pixabay

Beten ist Ordnen der Welt

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Redest Du wieder mit Dir selbst? fragte mich meine Mutter manchmal. Ja, das tat ich. Und heute weiß ich, dass das sogar gesund ist. Wir sollen mit uns reden, sagt eine Studie (n.tv 24.5.2018). Das hilft. Es ordnet die Gedanken, baut Stress ab und spornt zu Leistungen an. Wer mit sich selbst redet, ist nicht krank oder verrückt. Wir wissen ja noch, woher die Stimme kommt. Und leise reden wir auch. Wer mit sich selbst redet, in Ruhe und unauffällig, bringt etwas Ordnung in die Dinge des Lebens. 
Auch in die Dinge des Glaubens übrigens. Es gibt viele Zweifel an diesem und jenem. Auch an Gott, natürlich. Da hilft es, seine Gedanken zu ordnen. Leise vor sich auszubreiten und zu sichten, was mir hilft und was mir zweifelhaft vorkommt. Manchmal sind gute Fragen wichtiger als schnelle Antworten. Darum spricht man zu sich, auch über Gott. Was man glauben kann und was nicht. Woran man zweifelt und warum.
Sprechen ist Ordnen der Welt. Beten auch. Beten ist wie Sprechen mit sich vor dem unsichtbaren Gott. Er ist da. Ich weiß aber nicht, wo. Also spreche ich und denke, dass er mich hört. Auch wenn er still ist. Oder nicht antwortet; nicht direkt jedenfalls. Manchmal dauert es Wochen, Monate, bis mir doch sein Licht aufgeht. Und ich besser erkenne, was ich nicht wusste. Wo ich helfen kann vielleicht; wo ich um Hilfe bitten sollte. Dass ich mutiger sein darf und wann ich doch besser schweige. Beten ist Ordnen der Welt. Ich bleibe nicht allein mit mir. Schon das macht mich stärker.

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