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Behindert und glücklich

Behindert und glücklich

Uwe Groß
Ein Beitrag von

Uwe Groß,

Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden
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Durch eine Fußgängerzone schlendert ein Mann mit seinem Patenkind. Plötzlich begegnet ihnen eine Familie mit einem Kind im Rollstuhl. Das Patenkind fragt seinen Onkel: „Was hat das Kind?“ Der Onkel ist etwas verlegen und unvorbereitet und antwortet: „Das Kind im Rollstuhl ist krank.“ Das hört aber die Schwester des Rollstuhlkindes und faucht den Mann an: „Mein Bruder ist nicht krank. Er hat eine Behinderung.“ Diese Geschichte habe ich in einem Fastenkalender gelesen und dabei gedacht: Ja, der Onkel-Ausspruch, das hätte mir auch passieren können. „Das Kind ist krank.“ Irgendwie ist das bei vielen so drin im Denken:  Behinderung ist gleich Krankheit. Und auch das Wort „Behinderter“ reduziert einen Menschen auf seine Behinderung. So als ob der ganze Mensch anders als wir scheinbaren „Normalos“ wären. Ich habe aber eigentlich ganz andere Erfahrungen gemacht. In meiner Lehrzeit als Seelsorger habe ich über zwei Jahre ein Gruppe von Menschen mit geistiger Behinderung begleitet. Für mich war das damals beeindruckend zu sehen: Die jungen Frauen und Männer in der Wohngruppe führen ein ganz normales Leben mit Ihrer Familie, ihren Freunden, gehen zur Arbeit, feiern Partys und sind mal zufrieden und mal unzufrieden – wie andere auch.

Menschen, die eine Behinderung haben, haben die gleichen Hoffnungen, Träume und Wünsche an das Leben wie ich. Egal, ob jemand eine geistige oder körperliche Behinderung hat, oder ich mit meiner  „Otto Normal Macke“  – wir sehnen uns nach einem Leben, das uns glücklich macht, mit Menschen, die uns lieben, mit einer Arbeit, die uns erfüllt, mit dem Gefühl, gebraucht zu werden, und mit der Sehnsucht, zu jemandem zu gehören. Die 20-jährige Marianna hat das damals so gesagt: „Ich bin mit meinem Leben zufrieden. Es gibt so viele Jugendliche, die gesund sind und gar nicht zu schätzen wissen, was sie haben. Viel jammern nur rum, wie schwer sie es haben. Menschen ohne Behinderung sollen mal etwas fröhlicher sein. Lasst euch nicht so hängen. Man muss an sich glauben und kämpfen.“

Ich glaube, ich kann etwas von Marianna und anderen Menschen mit Behinderung lernen: Schicksalsschläge müssen einen Menschen nicht zerbrechen oder unglücklich machen. Ich kann auch mit Einschränkungen ein glückliches Leben haben.

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