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Beten und handeln
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Beten und handeln

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz

Ein neuer Tag beginnt. Ein neuer Tag, an dem ich mich frage, wie ich die lange Liste meiner „To dos“ erledigen soll. Wie soll ich all den Anforderungen gerecht werden? Wie soll ich allein das hinkriegen? Und dann denke ich an einen Spruch des Heiligen Augustinus: „Bete, als hinge alles von Gott ab. Handle, als hinge alles von dir ab.“ – so sagt der Heilige Augustinus, dessen Gedenktag Christen heute begehen.

Augustinus starb im 5. Jahrhundert. Er war wohl ein sehr kluger Mann, vielleicht einer der größten Theologen der Kirchengeschichte. Er war ein eher nachdenklicher Mann und ihn hat auch die Frage beschäftigt: Was hängt von mir ab, wie wichtig ist mein Handeln auf dieser Welt? Für Augustinus war klar: Mein Handeln ist wichtig, aber genauso wichtig ist auch, darauf zu vertrauen, dass auch Gott handelt.

Vielleicht finde ich diesen Gelehrten auch deshalb interessant, weil er den Glauben gerne gut begründen will. Glaube ist für ihn nicht eine bloße „Gefühlsduselei“, sondern eine innere Gewissheit. Eine Gewissheit, die ich mit Argumenten begründen kann.

In einer Sache bin ich mir in jedem Fall mit Augustinus einig: Glauben und Handeln gehören zusammen. Ich muss meinen Teil zur Lösung eines Problems beitragen, aber ich darf auch darauf vertrauen, dass Gott seinen Beitrag dazu tut.

In meinem Beruf begleite ich oft Menschen, die einen Rat suchen oder in einer schwierigen Situation sind. Natürlich tue ich mein Bestes, um diesen Menschen zu helfen: Ich berate sie, ich gebe ihnen Tipps, wo sie möglicherweise noch mehr oder andere Hilfe bekommen oder organisiere direkt etwas. Aber besonders bei den ganz schwierigen Fällen merke ich sehr deutlich, dass meine Möglichkeiten begrenzt sind. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht alles kann. Manchmal hängt der Erfolg auch von äußeren Umständen ab, die ich nicht beeinflussen kann. Da kommt Gott ins Spiel: Ich bete, dass er mir hilft. Dass Gott meinen Plan gelingen lässt, weil er gut ist. Oder dass er sich dieses Menschen annimmt und ihn behütet auf seinem schweren Weg.

Manchmal vergesse ich diese zweite Seite etwas: Ich bin gut organisiert, kann planen und vorbereiten und denke dann, dass es schon klappen muss, wenn ich mich nur genug anstrenge. Dabei vergesse ich, dass es ohne das Wohlwollen Gottes – ohne seinen Segen – nicht geht.

Die Bibel weiß das: Dort steht im 127. Psalm: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst.“

Also will ich mich für heute mal wieder daran erinnern, dass es gut ist, dem Heiligen Augustinus und seiner Weisheit zu folgen und seinen Ratschlag zu beherzigen: „Bete, als hinge alles von Gott ab. Handle, als hinge alles von dir ab.“

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