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Worte, die ein Segen sind
Bildquelle: moritz320/Pixabay

Worte, die ein Segen sind

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Er darf nicht sterben. Vincent ist 42 Jahre alt, war Krankenpfleger und liegt im Koma; seit elf Jahren. Ein Motorradunfall. Seine Ehefrau möchte, dass er sterben kann. Die Ärzte auch. Vincents Eltern aber nicht. Einen Wunsch für so einen Fall hat Vincent nicht hinterlassen. Darum sind Ehefrau und Eltern seit Jahren in Frankreich vor Gericht (BILD.de 23.5.2019). Das eine Gericht entscheidet so, ein zweites sieht es mit anderen Augen. Vor einigen Tagen war es wieder soweit. Ärzte und Ehefrau waren bereit - da entscheidet ein Gericht: Nein. Vincent darf nicht sterben. Eine Kommission der Vereinten Nationen soll entscheiden.
Das sind ernsthafte Fragen; und doch wirkt es unwürdig. Ich verstehe beide Seiten. Die Ehefrau, die ihrem Mann ein würdiges Sterben gönnt - und Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind verhungert, wenn die künstliche Ernährung eingestellt wird. Ich wünsche niemandem, so etwas jemals entscheiden zu müssen. Und doch können Menschen in so eine Lage kommen. Es kann auch uns treffen.        
Nicht daran denken ist keine Lösung. Wir sollten heute schon aufschreiben, was wir wünschen. Angehörige und Ärzte sind sonst überfordert. Sie wollen nicht Gott sein. Wir haben das Leben nicht in unserer Hand. Wir können aber hinterlassen: Ich möchte nicht durch Maschinen am Leben gehalten werden. Jeder und jede kann das aufschreiben, wenn man nur will. Wir sollten uns nicht davor fürchten. Es sind nur ein paar Worte auf Papier. Aber ein Segen für viele. Ein Segen, der beruhigt und uns Gott näher bringt.

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