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Sternenkinder
Bildquelle: pixabay

Sternenkinder

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Auf dem Foto hält der Vater sein Gesicht ganz nah an das Baby und küsst die kleinen Finger. Was man auf dem Foto nicht sehen kann: Die Hand des Babys ist kalt. Es ist totgeboren worden.
Sternenkind nennen manche Eltern ihr Baby, das im Bauch der Mutter gewachsen ist, nur kurz auf der Welt war, aber nicht am Leben geblieben ist. Zurück zu den Sternen geflogen. Jetzt an Weihnachten liegt das neugeborene Jesuskind in der Krippe mit dem Stern von Bethlehem darüber. Eltern von Sternenkindern denken dabei vielleicht an ihr Kind. Vielleicht tut ihnen der Blick auf das Kind in der Krippe auch weh.

Kai Gebel ist Fotograf aus Seeheim-Jugendheim in Südhessen. Er hat die Initiative „Dein Sternenkind“ gegründet. Er und mehr als 500 andere Fotografen machen ehrenamtlich Bilder von Kindern, die nur ganz kurz leben und doch ihre Lebensspur hinterlassen. Die Sternenkind-Fotografen stellen den Eltern kostenlos ihre Zeit zur Verfügung. Die Eltern können
sie kontaktieren. Oft muss es ganz schnell gehen. Dann wird der Fotograf oder die Fotografin aktiviert, die in der Nähe ist. Kai Gebel sagt: „Teilweise dauert es keine halbe Stunde, dass jemand von uns im Krankenhaus ist.“

Warum macht man solche Bilder? Kai Gebel ist selber Vater von sechs erwachsenen Kindern. Ihn treibt das Mitgefühl an. Er sagt: „Ich kann den Eltern mit einem Erinnerungsfoto von ihrem Sternenkind etwas geben, was für sie unglaublich wertvoll sein kann.“ Auf der Facebook-Seite der Organisation schreiben immer wieder betroffene Eltern, wie gut es ist, dass es Fotos von ihren geliebten und nie vergessenen Kindern gibt.

Die Weihnachtskrippe zeigt für mich: Jedes Leben ist unendlich wertvoll. So wertvoll, dass Gott selber das Kind in der Krippe wird. Zart, verletzlich, sterblich. Jeder Mensch, und auch wenn er noch ganz klein ist und sein Leben nur ganz kurz, ist einmalig, unvergessen und hat seinen Platz bei Gott.

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