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Reich Gottes - wie eine Hochzeit
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Reich Gottes - wie eine Hochzeit

Ein Beitrag von

Michael Geisler,

Pastor, Evangelische Freikirche, Hessisch Lichtenau

Gerne erinnere ich mich an Momente, in denen ich zufrieden bin mit mir selber, mit Gott und der Welt. Zuletzt habe ich das bei einer Hochzeit erlebt, ein wunderbares Fest war das. Das Brautpaar betritt die Kirche und geht den Mittelgang entlang nach vorne bis zum Altar. Wir feiern die Liebe Gottes, die hier zwei Menschen zusammengeführt hat. Wir singen und ich sehe in das strahlende Gesicht der Braut und des Bräutigams. Ein wunderschöner, ergreifender Augenblick, für die beiden, für die Gäste, für alle.

Jesus von Nazareth hat einmal gesagt: das Reich Gottes gleicht einer Hochzeit. (Matthäus 22) Reich Gottes, das Wort kommt im Alltag nicht so oft vor, aber im Neuen Testament ist das ein zentraler Begriff. Über einhundertfünfzig Mal kommt es vor. Reich Gottes meint kein bestimmtes Gebiet. Sondern es ist da, wo geschieht, was Gott will. Es ist dort, wo er das entscheidende Wort spricht. Da ist dann kein Platz mehr für Leid, für Tränen oder für den Tod. Dann wird gelacht, gegessen und getrunken, wie bei einer schönen Hochzeit. Dann geht es den Menschen gut und alle sitzen miteinander an einem Tisch. Alle sprechen eine Sprache und verstehen einander.

Es ist schon klar: Im Moment ist das Reich Gottes noch nicht auf der Erde. Nicht überall. Christen glauben, dass Gott einmal erscheinen wird, um Unrecht und Elend endgültig zu überwinden. Noch ist es nicht soweit, aber an verschiedenen Stellen leuchtet etwas von dieser Hoffnung auf. Zum Beispiel bei einer wunderbaren Hochzeit.

Ich brauche solche Bilder, auch in meinem Alltag. Und ich weiß, dass durch solche Bilder Menschen ihr Leben in die Hand genommen haben und sich eingesetzt haben für mehr Gerechtigkeit, für andere und für sich. Der amerikanischen Bürgerrechtler und Pastor Martin Luther King hat ähnliche friedliche und glückliche Bilder der Bibel benannt, vom Frieden zwischen Lamm und Löwe, von Menschen, die zusammen mit den Sternen am Himmel singen.

Die paradiesischen Bilder ermutigen mich, dass ich mich nicht abfinden werde mit dem, was ist, weder beim Weltgeschehen, noch in meinem Umfeld, wo ich wohne. Zum Beispiel: Ich will mich nicht abfinden, dass sich das junge Ehepaar in der Wohnung über mir immer öfters laut und beängstigend streitet. Ich kann zu ihnen gehen und meine Hilfe anbieten. Wir kommen vielleicht miteinander ins Gespräch. Ich hoffe darauf, dass sie einen kleinen Schritt aufeinander zu machen können.

Ich brauche außerdem Bilder einer guten Zukunft, damit ich achtsamer mit der Umwelt bin und lieber einmal mehr mit dem Fahrrad zu einem Gesprächstermin fahre statt mit dem Auto. Und natürlich freue ich mich besonders, wenn im Gottesdienst öfters fröhlich gelacht wird, nicht nur bei der nächsten Trauung.

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