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Neuland
NatalyaLucia/GettyImages

Neuland

Dr. Ursula Schoen
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Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt
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Bei mir wirken noch die Rückblicke von Anfang Oktober nach: 30 Jahre deutsche Einheit. Besonders eindrucksvoll sind nach wie vor die Bilder von dem Moment, als die Tore in der Mauer sich auftaten und die Menschen einfach so rübergehen konnten. Von Ost nach West. Von West nach Ost. Das war wie Neuland für beide Seiten.

Neuland vor 30 Jahren: die deutsche Einheit

Neuland war es auch erst einmal danach – freilich für die Menschen in Ostdeutschland sehr viel mehr als für Leute wie mich im Westen. In Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wurde so ziemlich alles neu geordnet: Schule, Gesundheitssystem, kommunale Aufgaben.

Es gab kein Modell ...

Für das Zusammenwachsen zwei so unterschiedlicher Gesellschaften gab es kein Vorbild oder Modell. Bilder von einer guten Zukunft mussten entwickelt werden. Einzelne Menschen haben als Bürgermeisterinnen, Unternehmer, Lehrerinnen oder politisch Engagierte eine große Verantwortung gehabt. Sie haben gespürt: Wir stehen an einem Wendepunkt – an der Schwelle zum Neuland.

Ich frage mich heute: Wie haben sie die Kraft, das Durchhaltevermögen aufgebracht, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und am Ball zu bleiben?

Neuland für Josua: Die Nachfolge Mose

Von einem Mann, der ebenfalls auf einmal große Verantwortung zu tragen hat und Neuland betreten muss, erzählt die Bibel. Der Mann heißt Josua. Er soll die Nachfolge von Mose antreten. Mose hatte die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten geführt und auf der langen Wanderung durch die Wüste geleitet. Jetzt war Mose gestorben. Josua soll an seine Stelle treten und die Israeliten ins Gelobte Land bringen. Sie stehen an dem Fluss Jordan. Das Gelobte Land liegt auf der anderen Seite.  

Neuland: Dort sollen die Israeliten wohnen und zu einer neuen Lebensweise finden – von Wüstennomaden zu sesshaften Bauern werden. So wird in der Bibel im Buch Josua erzählt.

„Sei getrost und unverzagt, denn ich, dein Gott, bin mit dir“

Für diese feste Ansiedlung gab es kein Konzept und keine Strategie. Am Übergang zum Neuen sagt Gott zu Josua: „Sei getrost und unverzagt! Denn ich, dein Gott, bin mit dir in allem, was du tun wirst.“ (Josua 1,9) Ich lese das wie ein: „Geh einfach los! Vertrau darauf, dass es sich schon finden und fügen wird!“ Ein solcher Verzicht auf strategische Überlegungen und Pläne wird Josua schwergefallen sein. Doch Josua verlässt sich auf Gott. Er vertraut. Und er tut mit seinen Israeliten den Schritt hinüber ins Neuland. Josua erfährt: Gott gibt Rückhalt, wenn es gilt, unbekanntes Terrain zu betreten. Die Worte Gottes wirken nach: „Sei getrost und unverzagt, denn ich, dein Gott, bin mit dir.“

Neuland: Ein Leben in der Pandemie

Ich brauche solchen Rückhalt auch zurzeit. Erst recht, weil wir gerade kein Gelobtes Land betreten, sondern uns in einer seltsamen neuen Normalität bewegen. Da brauche ich erst recht das Vertrauen: Wir werden Wege finden. Und mich beschäftigt die Frage: Auf wen kann ich mich verlassen? Für mich ist das Gott und Gottes Zuspruch: „Sei getrost und unverzagt, denn ich, dein Gott, bin mit dir.“

Rückhalt ist wichtig

Aber auch anderer Rückhalt ist wichtig, ob in der Gemeinde, in der Nachbarschaft, im Arbeitsteam, in der Partnerschaft oder bei Freundinnen und Freunden. „Sei getrost und unverzagt!“ Wie gut, wenn jemand das zu mir sagt!

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