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Lernen mit Fehlern zu leben
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Lernen mit Fehlern zu leben

Till Martin Wisseler
Ein Beitrag von

Till Martin Wisseler,

Evangelischer Pfarrer, Langenselbold
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Ein Handwerker hat bei uns die Waschmaschine repariert und mir gleichzeitig eine Lektion erteilt, obwohl er das gar nicht wollte.

Das war so: Unsere Waschmaschine arbeitet nicht mehr richtig. Ich bin mit meinem Latein am Ende, da muss ein Handwerker her. Der Handwerker fragt: Waschen Sie häufig? Meint er mich oder die Betriebsstunden der Maschine? Schnell und wie aus einem Reflex antworte ich: Ja, ja - sehr häufig! Es konnte für mich nur um die Maschine gehen. Ich will nicht diskutieren. Eine Fehlbedienung, die auf mich zurückgeht, kommt nicht in Frage.

So will ich mich aus der Verantwortung ziehen. Und ich kenne niemanden, dem es leichtfällt, vor anderen zu sagen: ich habe einen Fehler gemacht. Das war schon immer so, sogar in biblischer Zeit: Wer hat sich falsch verhalten? Ich nicht, sagt Adam im Paradies. Eva war's. Ich nicht, sagt Eva. Die Schlange war's. Aber das nur am Rande.

Der Handwerker untersucht die Maschine. Dann schaut er mich an: Das kann passieren, sagt er, hatte ich auch schon. Sie haben einen Fehler bei der Bedienung gemacht.

Ich stehe da und ärgere mich. Ich ärgere mich, weil ich ohne weiter drüber nachzudenken mit schnellen Worten alles weg reden wollte. Ich wollte einfach keine Verantwortung übernehmen. Und zugleich freue ich mich über die Worte des Handwerkers: Das kann passieren. Das kriegen wir wieder hin.

Ich merke: Wir Menschen machen Fehler, auch wenn wir das gar nicht wollen. Aber so sind wir nun einmal gemacht. Fehler machen ist sicher nicht gut, aber menschlich. So hat mich der Handwerker erinnert, was wichtig ist im Leben: Nämlich anzunehmen, dass Menschen Fehler machen. Nicht nur die anderen, auch ich selbst. Umso besser, wenn dann einer da ist, der sagt: Wir kriegen das wieder hin.

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