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Kranke besuchen
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Kranke besuchen

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt
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Sie sah ganz schön mitgenommen aus, meine Kollegin, als ich sie zufällig beim Einkaufen getroffen habe. Ich hatte sie eine Weile nicht gesehen, weil sie krankgeschrieben war. Sie hatte sich an der Schulter operieren lassen, weil sie da schon seit langem Schmerzen hat. Deswegen ist sie zu einem Spezialisten gegangen. Aber nach der OP wurde es nicht besser, jetzt muss sie wahrscheinlich nochmal unters Messer. Und dann sollte ja auch noch die andere Schulter dran sein. Meine Kollegin war niedergeschlagen, nicht nur wegen der Schmerzen und der vielen Medikamente, die sie nimmt. Sie weiß nicht, ob sie nochmal arbeiten kann, schließlich ist sie Ende 50, und ob das nochmal alles so wird. Bis in den März ist sie noch krankgeschrieben, und die lange Krankschreibung macht ihr ganz schön zu schaffen.

Ich konnte sie mit keinem Wort trösten oder aufheitern und ahnte dabei wie schwer das ist. Danach ging mir durch den Kopf, wie gut ich es habe, dass ich einfach nur gesund bin. Mir kommt das alles oft so selbstverständlich vor und manchmal denke ich, dass ich mein Gesundsein oft nicht zu schätzen weiß. „Die Krankheit macht mich einsam“, hat sie gesagt. In meinem Alltag habe ich kaum Zeit zum Luftholen, sie hat jetzt Zeit genug. Aber eben alleine. Klar, sie hat ihre Familie, aber die Töchter sind aus dem Haus und ihr Mann arbeitet ja auch noch. Da bleibt viel Zeit zum Nachdenken.

Was sie da erzählte, hat mich daran erinnert, wie es war, als ich einmal für längere Zeit nach einem Unfall im Krankenhaus liegen musste, mehr als drei Monate. Und wie gut es damals war/wie gut es mir getan hat, dass ich regelmäßig Besuch bekommen habe. Der einfach da war.

Kranke besuchen: Wie wichtig das ist, wussten schon die Menschen vor tausenden Jahren. Auch in der Bibel steht etwas darüber. Jesus erzählt davon. Als es darum geht, was Menschen tun sollen, um das Reich Gottes zu ermöglichen. Werke der Barmherzigkeit wird das genannt, was dafür grundlegend ist. Wir sollen Hungernden zu essen und Durstigen zu trinken geben, heißt es da, außerdem: Nackte bekleiden. Und dann noch: Kranke besuchen. Ich habe mir fest vorgenommen: Ich will mir diese Vorschläge zu Herzen nehmen und als gute Vorsätze für das noch junge Jahr immer wieder ins Gedächtnis rufen. Mit meiner Kollegin habe ich jedenfalls gleich ein weiteres Treffen ausgemacht. Einfach so. Nur um sie wieder mal zu sehen.

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