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Keine Furcht vor unbequemen Wahrheiten
John Hain/Pixabay

Keine Furcht vor unbequemen Wahrheiten

Irmela Büttner
Ein Beitrag von

Irmela Büttner,

Evangelische Pfarrerin, Offenbach-Bieber
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Wer unbequeme Wahrheiten aufdeckt und ausspricht, wer sich nicht scheut, angefeindet zu werden und den Mut behält, ist eigentlich ein Prophet oder eine Prophetin. Solche Menschen gab es zu allen Zeiten, und es gibt sie auch heute:

Propheten sagen den Menschen, was Gott will

Die Propheten im alten Israel sagen deutlich, was Gott von den Menschen will. Die Menschen sollen in Frieden miteinander leben und Gott nicht vergessen. Viele wollten diesen Auftrag erst nicht annehmen. Auch Jeremia nicht. Er sträubt sich gegen seine Berufung, so erzählt es die Geschichte in der Bibel, doch Gott macht ihm Mut.

„Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.“ (Jeremia 1,8)

Die frühen Christen waren ihrer Zeit voraus

Die frühen Christen waren ihrer Zeit voraus. Es war eine Revolution: Frauen und Sklaven waren gleichberechtigt in vielen christlichen Gemeinden. Christinnen und Christen weigerten sich auch, den römischen Kaiser wie einen Gott zu verehren. Eine bessere Welt ist möglich. Diese Hoffnung nährte sie und gab ihnen Kraft. Eine Welt, in der es allen Menschen gut geht.

Martin Luther und Martin Luther King - Propheten auf ihre eigene Art

Später waren es dann Menschen wie Martin Luther oder auch Martin Luther King. Propheten auf ihre eigene Art. Auch sie wurden angefeindet und doch auch getragen von ihrer Hoffnung.

Moderne Prophetinnen und Propheten machen auf Missstände aufmerksam

Prophetinnen und Propheten gab und gibt es auch außerhalb der Kirche. Jetzt zähle ich mich mit Mitte Dreißig noch zu den eher jungen Menschen - Für mich sind Greta Thunberg und die Aktivistinnen aus der Seenotrettung oder der Blacklives-Matter-Bewegung Propheten. Weil sie aufmerksam machen auf Missstände, die unbequem sind. Bei denen ich sofort spüre, sie haben recht, auch wenn ich es manchmal nicht wahrhaben will.

"Leid und Unglück dieser Welt müssen mich bewegen"

Denn ich scheue mich davor, wirkliche Konsequenzen zu ziehen. Ich will mein schönes, privilegiertes Leben gerne behalten. Eigentlich. Doch da ist eine Unruhe, die bleibt und das ist gut so und es ist sehr christlich. Leid und Unglück dieser Welt müssen mich bewegen – sonst würde ich etwas Wichtiges übersehen.

Eine bessere Welt ist möglich

Ich weiß nicht, wohin mich diese Unruhe noch führen wird. Aber ich bin mir sicher: Irgendwann kommen die Momente, in denen ich aktiv werden kann, in denen ich sehen werde, was mein Beitrag sein kann. Einfach das Herz offen halten und fest daran glauben: Eine bessere Welt ist möglich. Das wird unbequem, aber es tut auch gut, die Angst zu überwinden, so wie die Propheten des Alten Testaments, so wie die revolutionären Christinnen und Christen in der Geschichte, so wie die Prophetinnen und Propheten von heute. „Fürchte dich nicht“, sagt Gott zu Jeremia.

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