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Jemand wartet
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Jemand wartet

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen
Ein Beitrag von

Diplom-Theologin Doris Meyer-Ahlen,

Referentin für Familien- und Beziehungspastoral, Fulda
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Jemand ist da, der wartet! Kennen Sie auch dieses schöne Gefühl? Bei mir geht das so weit, dass ich sogar an unserer Wohnungstür klingele, obwohl ich den Schlüssel in der Hand habe. Ein Gefühl, das mich zurückführt in meine Schulzeit. Zu Beginn meiner Schulzeit mussten wir noch samstags zur Schule gehen. Heute unvorstellbar. Aber ich bin samstags sehr gern zur Schule gegangen, denn: Es war ein ganz kurzer Schultag, es gab ganz sicher keine Hausaufgaben, aber das Beste war: Meine Eltern waren zu Hause und warteten auf meinen Bruder und mich. Wir haben samstags extra den Schlüssel zu Hause gelassen. Wir konnten ja klingeln, es war jemand da.

Dass jemand da ist, erfahre ich auch immer wieder in einer anderen Gemeinschaft: bei zahlreichen Besuchen der Brüder der Benediktinerklöster auf der Huysburg im Harz und in Trier. Die Brüder sind da. Aber nicht einfach nur deshalb, weil sie dort eben wohnen. Die Brüder sind da, weil sie mit ihrem Leben bezeugen, dass Gott präsent ist in dieser Welt. Dass Gott da ist, an den Orten, an denen wir leben. In der Begegnung mit ihnen beeindruckt mich seit Jahren, dass sie nicht nur da sind, sondern sich bewusst entschieden haben zu bleiben – als Gemeinschaft an diesen Orten und als Einzelne in dieser Gemeinschaft. Mich bestärkt das Zeugnis ihres Lebens genau in dieser Hoffnung, dass Gott da ist, in meinem Leben und in unserer Welt. Es stärkt die Hoffnung darauf, dass es immer Heil und Heilung geben wird. Auch da und dann geben wird, wo menschliches Engagement und Handeln an die Grenzen gerät. Es stärkt meine Hoffnung, dass es Frieden und wahre Gerechtigkeit geben wird.

Die Brüder sind da und halten diese Hoffnung wach durch das Zeugnis ihres Lebens, durch ihre persönliche Entscheidung für ein Leben für Gott und die Menschen. Diese Liebe zu Gott findet ihren Ausdruck im Beten und Feiern des Gottesdienstes. Sie findet ihren Ausdruck in besonderer Weise auch in der offenen Tür für Menschen, die Rat, Begleitung und Unterstützung oder das Angebot von Gemeinschaft suchen.

Ich bin sehr dankbar für die unterschiedlichen Erfahrungen des Wartens aufeinander, des Daseins. Und ich denke daran gern, wenn ich selber an einer Tür klingle oder wenn ich den Kindern, unseren Freunden und unseren Gästen die Tür öffne.

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