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Hoffnungsbilder
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Hoffnungsbilder

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von Dr. Peter Kristen, Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Wir wohnen in einem Pfarrhaus auf dem Dorf. Nur ein enges Gässchen trennt uns von unseren Nachbarn gegenüber. Es stammt noch aus Zeiten, in denen sich dort kaum zwei Autos begegnet sind. Vor unserem Haus steht ein Kirschbaum und darunter eine Bank.

Eine Bank als Kommunikationszentrum

Normalerweise, also in Nicht-Corona-Zeiten sitzen die Nachbarn dort öfters zusammen, wenn der Tag zu Ende geht oder wenn sie im Sommer den Schatten genießen. Manchmal komme ich dazu, und wir reden ein bisschen.
Dann bleibt die Frau mit dem Rollator an der Bank stehen, setzt sich und macht eine Pause. Eine junge Mutter hält mit dem Kinderwagen an, und wir bestaunen alle ihr Baby zwischen den aufgeplusterten Kissen.
Die Nachbarskinder kommen beim Spielen vorbei. Manche klettern auf die Bank und versuchen, den untersten Ast des Kirschbaums zu erreichen.

Jetzt ist die Bank leer

So war das vor der Corona-Krise.
Jetzt in diesem Frühling ist die Bank leer. Abstand halten heißt das Gebot der Stunde. Da wollte niemand mehr einfach so entspannt unter den rosa Blüten des Kirschbaums sitzen. Walter, unser Nachbar, hat sich die verwaiste Bank angeschaut und ist dann in seiner Garage verschwunden. Als ich am Abend noch einmal an der Bank vorbeigekommen bin, sah ich: Er hat sie frisch gestrichen. Die warme, braune Farbe war noch feucht, und die Bank glänzte im Abendlicht.

Hoffnungsbilder

Für mich war das ein starkes Bild der Hoffnung. Irgendwann werden die Menschen dort wieder sitzen und unbeschwert miteinander reden. Dafür hat Walter die Bank neu gestrichen.

Hoffnungsbilder sind eine Art Schaufenster in die Zukunft. Da kann man sich schon mal ausmalen, wie es hoffentlich werden wird. In der Bibel gibt es auch solche Hoffnungsbilder. An eines habe ich gedacht, als ich die frisch gestrichene Bank unter dem Kirschbaum in meiner Gasse gesehen habe. Im letzten Buch der Bibel steht über die Zukunft Gottes geschrieben: Im Neuen Jerusalem „in der Mitte des Hauptplatzes wächst der Baum des Lebens. …
Und die Blätter des Baumes dienen den Nationen zur Heilung.“
Das macht mir Hoffnung.

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