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Große Erwartungen
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Große Erwartungen

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Der Mann wird mit Erwartungen überschüttet. Er soll die gespaltene Gesellschaft versöhnen und den Graben zwischen Arm und Reich überbrücken. Er soll das Volk aus der Krise führen und für Gerechtigkeit sorgen. Die Leute setzten ihre Hoffnung auf einen starken Mann, der die Probleme löst und dem Land wieder Größe gibt. Er ist der Retter in der Not. Er soll helfen.

So haben die Leute vor über 2000 Jahren den Messias erwartet, damals im biblischen Israel, einer Provinz am Rand des Römischen Reiches. Sie haben sich nach einem Erlöser gesehnt, der alle Wunden heilt. Die Wunden in der Gesellschaft und das, woran der einzelne Mensch leidet. Die Sehnsucht nach einem, der helfen kann, war so groß, dass sie noch heute in den Adventsliedern zu hören ist: „Macht hoch, die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich.“

Wer kann das alles erfüllen? Übergroße Erwartungen können gefährlich sein. Ich projiziere alle meine Wünsche auf diesen einen Menschen. Er soll so sein, wie ich ihn mir erträume. Der Mister Perfect oder die Misses Right. Das Kind, das ich mir so lange gewünscht habe. Schwierig wird’s, wenn der so erhoffte kleine oder auch erwachsene Mensch ganz anders ist, als ich es mir vorgestellt habe. Enttäuschte Hoffnung tut weh.

Advent ist die Zeit für große Erwartungen. Ich darf mir den Himmel auf die Erde wünschen. „Macht hoch, die Tür“ heißt: Mauer deine Sehnsucht nicht ein. Leg nicht fest, wie dein Glück aussehen soll. Halte dich offen. Das, was dir hilft und dich glücklich macht, kommt vielleicht ganz anders, als du es dir vorstellst. Und ist gerade deshalb wundervoll.

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