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Gott spüren in der Fremde - Migrantengemeinde in Accra
Bild: Pixabay

Gott spüren in der Fremde - Migrantengemeinde in Accra

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt

Der Weg zur Kirche ist nicht leicht zu finden. Wir folgen einem schmalen Weg zwischen Bauschutt und Abfällen. Er schlängelt sich an niedrigen Häusern entlang. Es ist heiß. Wir sind in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Dann öffnet sich plötzlich ein kleiner Platz. Ein großes Zelt ist aufgestellt. Darunter sitzen viele Menschen in Festkleidung. Die Farben leuchten zwischen den grauen Hauswänden. Kinder rennen herum und Babys halten sich an den Beinen der Mütter fest. Es wird kräftig gesungen und getanzt.

Während die Trommeln laut und rhythmisch geschlagen werden, kommen immer neue Tänzerinnen und Tänzer auf die Mitte des Platzes. Männer und Frauen. Jeweils ein Mann oder eine Frau tritt hervor und löst die andere ab. Sie zeigen, was sie können, verlassen die Mitte wieder und gehen zurück in den Kreis der Tanzenden. Für einen Augenblick richtet sich die ganze Aufmerksamkeit auf sie und für jede gibt es anschließend Applaus.

Die Gottesdienstbesucher in dieser Gemeinde sind überwiegend Migranten. Sie sind aus dem Norden Ghanas nach Accra, der Hauptstadt Ghanas, gezogen, weil im Norden der Regen fehlt. Die Ernten werden immer kleiner. Auch in Accra ist das Leben für sie nicht einfach. Obwohl sie aus demselben Land sind, sprechen sie eine andere Sprache, ihre regionale Sprache aus dem Norden. Das macht die Verständigung schwierig. Sie arbeiten als Putzfrauen, Haushilfen, Wachmänner. Sie leisten Dienste, die weder besonders geachtet wird noch gut bezahlt sind. Hauptsache, die Arbeit ist gemacht. Wer sie erbringt, zählt nicht.

Für alle ist der Gottesdienst der Höhepunkt der Woche, denn in diesem Gottesdienst wird ihre Sprache gesprochen, eine der Sprachen aus dem Norden: Bulsa. Bibellesung, Liturgie, Lieder alles ist in Bulsa und die Musik entspricht natürlich der Tradition der Bulsa – fast wie zuhause. Da ist das Gefühl dazuzugehören, nicht mehr Fremder zu sein. Ja mehr noch: mit seinen Gaben im Licht zu stehen.

Dieser Gottesdienst in der Muttersprache ist Teil eines Projektes der Evangelischen Kirche in Ghana. Vor einigen Jahren hat diese Kirche begonnen, eigene Gemeinden für die Migranten aus dem Norden zu gründen. In ihren verschiedenen Muttersprachen können Menschen dort Gottesdienst feiern. Auch Bibelübersetzungen in den jeweiligen Sprachen werden gefördert.

Der verantwortliche Pfarrer John Bosco erklärt mir nach dem Gottesdienst: Gott bleibt nicht an einem festen Ort, sondern ist mit Menschen unterwegs, wohin sie gehen und wo sie leben. Gott gibt Heimat und er sieht uns, das lesen wir in der Bibel. Wir wollen, dass Menschen das spüren können. Auch ich fühle mich in diesem Gottesdienst von Gott gesehen, als Fremde in Ghana. Das Bild der tanzenden Menschen nehme ich mit zurück nach Deutschland. Wann immer ich an diesen Morgen denke, spüre ich Gottes Nähe.

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