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Gott im Dunkeln begegnen
Bildquelle: milczewsky

Gott im Dunkeln begegnen

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von

Dr. Barbara Brüning,

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Gerade erst vor ein paar Tagen habe ich mich von unserem Weihnachtsbaum getrennt und ihn auf die Straße gestellt. In diesem Jahr ist mir der Abschied von dem Weihnachtlichen ganz besonders schwergefallen. Die Lichterketten und die leuchtenden Sterne haben mir in diesen dunklen Corona- und Winter-Tagen gutgetan.

Erst im Dunkeln erkenne ich die Schönheit von Licht

Irgendwann in diesen Tagen habe ich in einer Predigt gehört: Gott will dir im Dunkeln begegnen. Eigentlich kann und will mir Gott immer begegnen, denke ich mir. Aber im Dunkeln bemerke ich ihn eher, glaube ich. Meine Freundin Kathrin hat mir erzählt: „Ich lasse an Heiligabend immer für ein paar Minuten alles ganz dunkel. Dann erst zünde ich die Kerzen am Christbaum an. Dann überkommt mich so ein wirklich starkes weihnachtliches Gefühl der Freude.“ Sie sagt: „Ich brauche die Dunkelheit, um die Schönheit von Licht zu empfinden.“ Ich glaube, aus Sicht der Menschen ist es leichter, Gott zu finden, wenn es dunkel ist, weil er inmitten von vielen elektronischen Lichtern nicht wahrgenommen wird.

Wie wertvoll sind selbst kleine Gesten der Zuwendung in dunklen Zeiten

Und das gilt ja nicht nur für Weihnachten. Diese Corona-Zeit im Moment ist ja auch eine Zeit der Dunkelheit. Es werden keine Feste gefeiert. Geschäfte und Restaurants bleiben dunkel. Wir wissen gerade noch nicht so genau, wie es weitergehen wird. Nichts anderes bedeutet im übertragenen Sinn – sich ganz im Dunkeln fühlen. Und da nehme ich das Licht umso deutlicher wahr: wenn meine Freundin einfach nur anruft, um zu fragen, wie es mir geht. Oder mir neulich Sushi aus der Stadt mitbringt und wir zu zweit essen. Sowas haben wir früher häufig spontan gemacht. Aber jetzt bedeuten mir solche kleinen Gesten viel mehr. Sie machen es wirklich hell und warm um mich herum. Auch meine Zeichen von Zuwendung sind in der Dunkelheit viel notwendiger als sonst. Wir sind viel empfänglicher für diese kleinen Lichter in der Dunkelheit von Corona. Und sie strahlen jetzt einfach noch heller, finde ich!

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