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Geld
Bildquelle:Pera Detlic/Pixabay

Geld

Tanja Griesel
Ein Beitrag von

Tanja Griesel,

Evangelische Pfarrerin, Kassel
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In diesen Tagen werden sie in Umlauf gebracht, die neuen 100 und 200 Euro-Geldscheine. Sie gehören zur sogenannten „Europa-Serie“ und gelten als annähernd fälschungssicher. Scheine und Münzen besitzen nicht nur einen Geldwert, sondern auch einen emotionalen Wert. Geld steht für Erfolg, Sicherheit, Anerkennung, Macht, Lebensqualität, Selbständigkeit. Geld regiert die Welt, heißt es, aber auch: Über Geld spricht man nicht. Welche Rolle spielt denn nun das Geld in unserem Leben?

Eine Freundin erzählte mir, dass sie früher in einer Werbeagentur gearbeitet hat. Sie hat dort viel Geld verdient. Sie war abgesichert. Sie konnte sich eine Menge leisten. Irgendwann hat sie gemerkt, dass es ihr schwerfiel, morgens zur Arbeit zu gehen. Es fiel ihr schwer, neue Aufträge an Land zu ziehen und Kunden zu begeistern. Sie fragte sich: War es das jetzt? Will ich das wirklich bis zur Rente? Sie kündigte und ging noch einmal zur Uni. Heute ist sie Lehrerin – auf dem Weg dorthin hat sie manche finanzielle Durstrecke in Kauf genommen. Eine andere Freundin hat sich gerade selbständig gemacht. Sie entwirft Schmuck. Manchmal verkauft sie gut, in manchen Monaten weiß sie nicht, wie sie über die Runden kommen soll. Aber die finanziellen Sorgen sieht man ihr nicht an. Wenn sie mir ihre neusten Werke zeigt, leuchten ihre Augen. Sie lebt genau so, wie sie leben will.

Ohne Geld geht es nicht. Geld sichert unsere Lebensgrundlage. Aber wie viel Geld brauchen wir zum Leben? Welche Opfer sind wir bereit dafür zu bringen? Das muss jeder für sich selbst beantworten. Die Bibel gibt uns einen Rat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Das Brot steht für all das, was wir zum Leben brauchen: Essen, Trinken, Kleidung, ein Dach über dem Kopf und alle anderen materiellen Bedürfnisse. Es gibt aber Bedürfnisse, die nicht mit Geld befriedigt werden. Für Martin Luther gehörte zum täglichen Brot alles, was not tut für Leib und Seele. Dazu zählte er z.B. auch gute Freunde, getreue Nachbarn, Friede und Gesundheit. Für kein Geld der Welt kann ich mir Liebe, Hoffnung oder Trost erkaufen. Die Währung dafür ist mein Glaube: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes ausgeht.“

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