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Geduld - eine Gabe des Heiligen Geistes
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Geduld - eine Gabe des Heiligen Geistes

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Diese Pandemie-Zeit erfordert Geduld, manche nennen es auch Langmut. Die Menschen müssen ihre Wünsche zurückstellen, in ferne Länder zu reisen, sich gedulden, bis ein Impfstoff gefunden ist, müssen lernen, die Situation zu ertragen, die Umstände zu akzeptieren. Das bedeutet nicht, dass sie sich passiv ihrem Schicksal ergeben müssen.

Geduld heißt auch, Zeit zum Gestalten haben

Geduld bedeutet genauso, beharrlich auf ein Ziel zu zu steuern, Versuchungen zu widerstehen, erwartungsfroh auf die Erfüllung eines Versprechens zu warten. Und es heißt auch, Zeit zu haben zum Hinfallen und Wiederaufstehen, zum Gestalten.

Geduldsgeschichten in der Bibel

Die Bibel steckt voller Geduldsgeschichten. Mose, der sein Volk durch die Wüste führt, ist so eine Geschichte. 40 Jahre ziehen sie von Ägypten aus in das gelobte Land. Die Menschen mosern und jammern, weil alles so lange dauert und mühsam ist. Sie würden gerne umkehren zu den Fleischtöpfen Ägyptens. Es regnet zwar Manna vom Himmel, das sie sättigt. Aber das reicht immer nur für einen Tag.

Manna immer nur für einen Tag

Die Erzählung passt gut zur derzeitigen Situation. Die Sehnsucht nach den Fleischtöpfen Ägyptens steht für mich für den Wunsch, alles möge wieder so werden wie vor der Krise. Das Manna vom Himmel, das immer nur für einen Tag reicht, kann ein Bild dafür sein, dass wir „auf Sicht fahren“, keine Pläne machen können, die weiterreichen. Aber immerhin: Wir sind versorgt für den nächsten Tag.

Hoffnung ist eine enge Verwandte der Geduld

Das gelobte Land, zu dem das biblische Volk Israel unterwegs ist, steht für mich für die Zeit, in der wir gut mit dem Virus leben können – dank eines Impfstoffes. Es wird kein Land sein, in dem „Milch und Honig fließt“, sich die Natur vollständig erholt hat und die Menschen nur noch solidarisch miteinander umgehen. Aber vielleicht gelingt es doch, Erkenntnisse mitzunehmen, was „systemrelevant“ ist, was wirklich wichtig ist – im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben. Darauf hoffe ich. Und Hoffnung ist schließlich eine enge Verwandte der Geduld.

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