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Die schöne Zeit des Erbarmens
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Die schöne Zeit des Erbarmens

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Das gab es noch nie. Fußball gibt es schon lange - aber das hier… Das Spiel fängt an, eine Mannschaft verliert. Kriegt ein Tor nach dem anderen. In der Halbzeit sind es schon achtzehn. Wie soll das enden? Die zweite Halbzeit beginnt; bald steht es fünfundzwanzig zu eins gegen das eine Dorf. Da geschieht, was es noch nie gab. Der Schiedsrichter hebt den Arm, pfeift und bricht das Spiel ab (n.tv am 24. Nov. 2017). Er weiß nicht, ob er das darf. Er mag es aber nicht mehr mit ansehen und macht dem Spiel ein Ende. Aus Mitgefühl mit den Verlierern.
Das muss man sich erst mal trauen. Glückwunsch dem Schiedsrichter. Manchmal muss man wagen, was vielen nicht erlaubt scheint: Erbarmen. Eine Regel außer Kraft setzen, gütiger sein als die Regeln der Welt. Die schreiben vor, was wir tun sollen. Oft hilft uns das. Manchmal aber muss es mehr sein. Mehr innere Größe, mehr Erbarmen.
Jetzt kommt sie, die schöne Zeit des Erbarmens. Die Zimmer leuchten, auch Balkone und Straßen. Alles scheint ein wenig zu glitzern. Wir auch, hoffentlich. Glitzern vor Erbarmen, sozusagen. Da könnte man über Schuld mal hinwegsehen, das Aufrechnen  beenden. Oder nach dem fragen, den man lange nicht gesehen hat. Da könnte man jemand mit Güte überraschen. Einfach so. Weil die schöne Zeit ist, die des Erbarmens. Weil Gott mich mag, mir Gutes getan hat. Und ich nicht so alleine bin, wie vielleicht andere. Man könnte selbst ein wenig glitzern. Und etwas von der Güte Gottes ausstrahlen, die weiter hilft. Viel weiter als alle Regeln der Welt.

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