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Die Hoffnung der alten Dame
Bild: Besno Pile/Pixabay

Die Hoffnung der alten Dame

Till Martin Wisseler
Ein Beitrag von

Till Martin Wisseler,

Evangelischer Pfarrer, Langenselbold
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Das schaffen wir jetzt auch noch. Hat eine alte Dame zu mir gesagt. Wir haben uns zufällig im Ort getroffen und uns unterhalten. Über Corona natürlich. Das schaffen wir jetzt auch noch. Sagt eine Frau zu mir, die in der Kriegszeit geboren ist. In der Nachkriegszeit aufgewachsen, fünf Kinder großgezogen, für Haus und Hof gesorgt. Vieles war schwierig, manches zum Verzweifeln. Das Vertrauen ins Leben hat sie nicht verloren. Auch nicht ihr Vertrauen in Gottes gutes Geleit. Ihr Leben hat sie immer wieder in die Hand genommen.

Das schaffen wir jetzt auch noch. Ein toller Satz. Voller Hoffnung und Zuversicht. Ich sage ihn mir selbst immer wieder vor, wenn ich mir Gedanken um die Verhaltensregeln mache; wenn ich mich sorge um die, die plötzlich weniger Geld haben. Oder um die, deren Arbeitsplatz in Gefahr ist.

Dann sage ich mir den Hoffnungssatz: „Das schaffen wir jetzt auch noch“.

Das Leben aus der Hand geben kommt für mich nicht in Frage. Ich merke: Das Leben hat viele Facetten. Ich habe Bilder und Vorstellungen vom Leben, die ich jetzt nicht vergessen möchte.

So freue ich mich, wie die Landwirte trotz allem reiche Ernte einfahren; verabrede mich mit Freunden zum Wandern. Den Konfirmanden versuche ich einen attraktiven Unterricht zu bieten, den sie gerne besuchen; den schenke Menschen ein offenes Ohr, damit sie sich was von der Seele reden können. Es gibt also doch noch andere Bilder vom Leben. Und den Hoffnungssatz „Das schaffen wir jetzt auch noch“. Und ich bitte Gott, dass er mir die Gelassenheit gibt, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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