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Der Junge muss an die Luft
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Der Junge muss an die Luft

Tanja Griesel
Ein Beitrag von

Tanja Griesel,

Evangelische Pfarrerin, Kassel
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Wenn ich den Namen Hape Kerkeling höre, denke ich an Paraderollen wie Königin Beatrix oder Horst Schlämmer. Ich denke aber auch an den Schriftsteller Hape Kerkeling. Und dieser hat ein Buch geschrieben, das verfilmt und seit gestern in den Kinos zu sehen ist: Der Junge muss an die frische Luft. Hape Kerkeling erzählt darin von seiner Kindheit im Ruhrgebiet. Von Tante Lore, die ihn im Kinderwagen über die Felder schob, von seiner geliebten Oma Änne, deren Gemischtwarenladen für ihn der Kindergartenersatz war und wo er bereits in frühen Jahren ein gutes Gespür für Situationskomik entwickelte. Aber es sind nicht nur heitere Erinnerungen. Schreibend stellt sich Hape Kerkeling auch einem Lebenstrauma: dem frühen Tod seiner Mutter. Woher er die Kraft nimmt, sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen, beschreibt er im ersten Kapitel seines Buches.

Hape Kerkeling ist in Jerusalem. Er dreht dort einen Dokumentarfilm. Eine Sequenz spielt im Garten Gethsemane. Der Torwächter will das Filmteam nicht hineinlassen. Immerhin handelt es sich um einen heiligen Ort. Das Team besitzt zwar eine Dreherlaubnis, aber das beeindruckt den Wächter nicht besonders. Schließlich kann ein Kompromiss gefunden werden: Das Filmteam darf den Garten 5 Minuten betreten, aber nur in absoluter Stille. Es darf nicht gesprochen werden.
Hape Kerkeling ist von diesen 5 Minuten tief berührt. Der schlichte Olivenhain mitten in der krisengeschüttelten Stadt Jerusalem zeigt sich ihm still und gleichsam friedlich. Jesus liebte diesen Garten. Dorthin hat er sich zurückgezogen, hat gebetet und Kraft getankt, bevor er verraten und hingerichtet wurde. Ein letzter Zufluchtsort.

Auch Hape Kerkeling spürt eine heilsame Kraft, die von diesem Fleckchen Erde ausgeht. Sie scheint durch seinen Körper zu strömen. Diese Erfahrung bestärkt ihn in seinem Glauben an Gott. Er spürt, er ist nicht allein. Er fasst Mut, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und schließlich zu versöhnen. Mich berührt seine Geschichte. Aus dem Glauben erwächst die Kraft, sich den eigenen Lebensthemen zu stellen.

 

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