Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
Das verzeih ich dir nie
PixelsEffect_GettyImages

Das verzeih ich dir nie

Claudia Rudolff
Ein Beitrag von

Claudia Rudolff,

Rundfunkpfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
Beitrag anhören:

Sabine springt vom Stuhl auf. Sie schreit: „Das verzeih ich dir nie.“ Ihr langjähriger Partner Ralf hat ihr soeben gestanden, dass er seit Monaten eine Freundin hat. Ralf bittet sie, sich wieder hinzusetzen. Er möchte es ihr erklären. Aber Sabine läuft raus, lässt Ralf sitzen.

Ehrlichkeit war eigentlich wichtig

Sie ist tief verletzt. Jetzt weiß sie, warum er in letzter Zeit angeblich so oft Meetings und Tagungen hatte. Sie hat ihm vertraut. Ehrlichkeit war eigentlich immer beiden wichtig.

Sie bricht jeglichen Kontakt zu Ralf ab. Er ruft sie an, möchte so viel sagen, aber sie geht nicht ans Handy. Er schreibt Mails, bittet um ein klärendes Gespräch, bittet um Verzeihung. Sabine ist dazu nicht bereit. Alle Versuche von Ralf, Kontakt aufzunehmen, laufen ins Leere.

Ralf belastet das sehr. Er weiß, wie weh er Sabine getan hat. Er hat gelogen, ihr Vertrauen missbraucht, weil er zu feige war.

Verzeihen braucht Zeit

„Das verzeihe ich dir nie.“ Sabines Satz klingt ihm immer wieder in den Ohren. Er möchte mit Sabine keine Partnerschaft mehr. Aber er wollte sie nicht so verletzen. „Du kannst nichts machen, wenn sie dir nicht verzeihen möchte“, sagt Ralfs Bruder. „Es bringt nichts, wenn du immer wieder anrufst oder schreibst. Vielleicht braucht Sabine einfach Zeit.“ Und Ralfs Bruder meint weiter: „Natürlich wäre es befreiend, wenn sie deine Entschuldigung annimmt, dir vergibt. Aber wenn sie es nicht tut, dann ist es wichtig, dass du dir selbst irgendwann vergibst.“  

Man muss sich selbst vergeben können

Ein erstaunlicher Satz: Der, der betrogen hat, soll sich selbst vergeben, wenn sie’s nicht tut? Ralfs Bruder hat Recht. Vergebung ist ein Prozess für beide Beteiligte. Auch wenn ich diejenige bin, die schuld ist, die verletzt hat, muss sich in mir was tun. Klar muss ich mir eingestehen, was ich verursacht habe. Aber ich muss mir irgendwann auch selbst vergeben können.

Sich vergeben heißt, aus seinen Fehlern lernen

ergeben hat damit zu tun, dass ich mein Verhalten überdenke, meine Fehler einsehe, daraus lerne. Es geht sozusagen um eine Operation des eigenen Herzens. Die ist nötig, um neu anzufangen, es das nächste Mal besser zu machen.

Ralf hat über die Worte seines Bruders nachgedacht. Er hat sich klargemacht: Ich hätte ehrlich sein müssen. Ich muss meine Fehler anerkennen. Aber Sabines „das verzeihe ich dir nie“ kann ich nur aushalten, wenn ich mit mir selbst Frieden schließe. Ich hoffe mit Ralf, dass ihm die Operation seines Herzens gelingt.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Beitrag anhören:
"Das verzeihe ich dir nie!"
Bildquelle Pixabay

"Das verzeihe ich dir nie!"

Claudia Rudolff
Ein Beitrag von

Claudia Rudolff,

Rundfunkpfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
Beitrag anhören:

Sabine springt vom Stuhl auf. Sie schreit: "Das verzeih ich dir nie." Ihr langjähriger Partner Ralf hat ihr soeben gestanden, dass er seit Monaten eine Freundin hat. Ralf bittet sie, sich wieder hinzusetzen. Er möchte es ihr erklären. Aber Sabine läuft raus, lässt Ralf sitzen.

Sie ist tief verletzt. Jetzt weiß sie, warum er in letzter Zeit angeblich so oft Meetings und Tagungen hatte. Sie hat ihm vertraut. Ehrlichkeit war eigentlich immer beiden wichtig.

Seine Versuche, sich zu entschuldigen, laufen ins Leere

Sie bricht jeglichen Kontakt zu Ralf ab. Er ruft sie an, möchte so viel sagen, aber sie geht nicht ans Handy. Er schreibt Mails, bittet um ein klärendes Gespräch, bittet um Verzeihung. Sabine ist dazu nicht bereit. Alle Versuche von Ralf, Kontakt aufzunehmen, laufen ins Leere.

Ralf belastet das sehr. Er weiß, wie weh er Sabine getan hat. Er hat gelogen, ihr Vertrauen missbraucht, weil er zu feige war.
"Das verzeihe ich dir nie." Sabines Satz klingt ihm immer wieder in den Ohren. Er möchte mit Sabine keine Partnerschaft mehr. Aber er wollte sie nicht so verletzen.

"Irgendwann musst du dir selbst vergeben können"

"Du kannst nichts machen, wenn sie dir nicht verzeihen möchte", sagt Ralfs Bruder. "Es bringt nichts, wenn du immer wieder anrufst oder schreibst. Vielleicht braucht Sabine einfach Zeit."

Und Ralfs Bruder meint weiter: "Natürlich wäre es befreiend, wenn sie deine Entschuldigung annimmt, dir vergibt. Aber wenn sie es nicht tut, dann ist es wichtig, dass du dir selbst irgendwann vergibst."

Ein erstaunlicher Satz: Der, der betrogen hat, soll sich selbst vergeben, wenn sie’s nicht tut? Ralfs Bruder hat Recht. Vergebung ist ein Prozess für beide Beteiligte. Auch wenn ich diejenige bin, die schuld ist, die verletzt hat, muss sich in mir was tun. Klar muss ich mir eingestehen, was ich verursacht habe. Aber ich muss mir irgendwann auch selbst vergeben können.

Wie eine Operation am eigenen Herz

Vergeben hat damit zu tun, dass ich mein Verhalten überdenke, meine Fehler einsehe, daraus lerne. Es geht sozusagen um eine Operation des eigenen Herzens. Die ist nötig, um neu anzufangen, es das nächste Mal besser zu machen.

Ralf hat über die Worte seines Bruders nachgedacht. Er hat sich klargemacht: Ich hätte ehrlich sein müssen. Ich muss meine Fehler anerkennen. Aber Sabines "Das verzeihe ich dir nie" kann ich nur aushalten, wenn ich mit mir selbst Frieden schließe.

Ich hoffe mit Ralf, dass ihm die Operation seines Herzens gelingt.
 

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren